piwik no script img

Hajo Schiff Hamburger KunsträumeBauhaus, Bruchhaus, Bauch raus

Vorbildhaft und missverstanden, gescheitert und wirkmächtig zugleich: Zum 100-jährigen Geburtstag wird das Bauhaus vielfältig gewürdigt, kritisiert und paraphrasiert. In Hamburg gibt es nicht viele Solitärbauten dieser Zeit: Da ist vor allem das schon ab 1921 in kubistischen Formen von Karl Schneider in Falkenstein errichtete Landhaus Michaelsen, heute Puppenmuseum. Vom selben Architekten wurde in der Neuen Rabenstraße 1930 ein revolutionärer Museumsbau realisiert. Der Kunstverein erinnert an sein zerstörtes ehemaliges Gebäude mit einer kleinen Schau am Klosterwall.

Interessant ist auch die Geschichte der ab 1927 von den Architekten Ernst und Wilhelm Langloh im Bauhausstil errichteten Schule am Sootbörn in Niendorf. Im Zuge des Ausbaus des Flughafens teilabgerissen, wurde das Gebäude später in den erhaltenen Resten restauriert und zum heutigen Künstlerhaus verwandelt. Die Hamburger Künstlerin Suse Itzel widmet dem Gebäude ihren Essay-Film „Wir haben so schön geschlafen“, als Teil der Ausstellung „Neue Einheit“, die persönliche Perspektiven von fünf jungen Künstlerinnen auf die Ideen des Bauhauses zeigt. Die kritische Würdigung mit Video, Installation, Malerei, Zeichnung und Webarbeiten wird Samstagabend im „Raum linksrechts“ im Gängeviertel eröffnet.

Konzeptuelle Architektur scheint oft den eigentlichen Zweck, die praktische Nutzung durch den Menschen zu vergessen. Zelt, Dach, auch Stall sind schützende Urformen von Behausung. So reicht ein alter Hühnerstall aus für ein privates Kunstprojekt in Volksdorf. Diesen Sonntag um 16 Uhr gibt es dort in der Horst­looge 32 eine Einführung und ein Künstlergespräch zur Installation „Neue Heimat“ von Wolf von Waldow (www.huehnerhausvolksdorf.de).

Gerade im Hamburger Architektursommer sollte die immer weitergehende Verdrängung von vielfältig nutzbaren Nischen nicht vergessen werden, die besonders die Kulturräume bedroht. Auch die Künstler- und Handwerkergemeinschaft in der Sillemstraße 48 a+b ist gefährdet. Sie feiert für den Erhalt der Hinterhofkultur in Eimsbüttel am nächsten Sonntag (23. 06.) von 12 bis 20 Uhr ein Hoffest . Wer es aber internationaler haben möchte, sollte sich notieren, dass an diesem Mittwoch um 19 Uhr die Studios der Art School Alliance in der Karolinenstraße 2a zur Sommerausstellung geöffnet werden.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen