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„Die Zapatistas stehen für lokale Wirtschaft“

Foto: Privat

Martin Mäusezahl, 39, Mitglied des Kaffeekollektivs Aroma Zapatista, war 2010 als Menschenrechtsbeobachter in zapatistischen Gemeinden.

Interview David Günther

taz: Herr Mäusezahl, vor 25 Jahren war die indigene politische Gruppierung Zapatistas der große Hoffnungsträger der Linken. Warum hat man lange nichts mehr von ihnen gehört?

Martin Mäusezahl: Man hätte viel von ihnen hören können. Die Zapatistas haben regelmäßig Erklärungen veröffentlicht und Aktionen veranstaltet. Ich würde eher sagen, dass die Öffentlichkeit nicht mehr so interessiert ist.

Warum?

Das, was die Zapatistas machen, ist für die Medien nicht mehr so spektakulär wie der bewaffnete Aufstand 1994. Sie konzentrieren sich auf den Aufbau ihrer Selbstverwaltungsstruktur – das ist eigentlich sehr beeindruckend, wenn man sich tiefer gehend damit befasst, aber vielleicht keine so tolle Schlagzeile.

Die Zapatistas sind in den Verdacht geraten, mit mexikanischen Drogenkartellen zu kooperieren.

Das stimmt nicht. Das sagen alle unabhängigen Beobachter und auch die Zapatistas selbst.

Woher könnte das Gerücht kommen?

Es könnte aus der mexikanischen Regierung kommen, die Falschmeldungen verbreitet, um die Öffentlichkeit zu beeinflussen.

Hat sich das Selbstverständnis der Zapatistas seit dem Amtsantritt des linken Präsidenten Lopez Obrador geändert?

Die Zapatistas sind in der radikalen Opposition. Die Regierung ist zwar linksgerichtet, dennoch haben sie schlechte Erfahrungen mit Lopez Obrador und seiner früheren Partei PRD gemacht. In der Vergangenheit wurden sie oft von der Regierung betrogen. Deshalb unterscheiden sie nicht zwischen der jetzigen linken und der vorherigen rechten Regierung. Dazu kommt, dass die Regierung Verantwortliche für den Krieg gegen die Zapatistas in ihren Reihen hat.

„¡Otro Mundo es posible! / Eine andere Welt ist möglich“- „Einführung in die zapatistische Selbstverwaltung“: Vortrag, 18.30 Uhr, Centro Social, Sternstraße 2

Eintritt frei

Was halten die Zapatisten vom Großprojekt „Maya Train“, das den Tourismus und somit auch die Wirtschaft fördern soll?

Die Zapatistas lehnen solche Großprojekte, die von der Regierung geplant und ausgeführt werden, ab. Die Erfahrung zeigt, dass solche Großprojekte nur den großen Unternehmen helfen und nicht der lokalen Bevölkerung.

Können Sie das konkreter erläutern?

Die Zapatistas stehen für lokale Wirtschaft und von der Bevölkerung selbst aufgebaute In­frastruktur. Außerdem soll das Schienensystem durch unberührte Natur und kollektiven Landbesitz indigener Gemeinden gehen. Es könnte die Lebensbedingungen erschweren, wenn die Preise durch den Tourismus steigen.