wie machen sie das?

Der Milchbauer

Klaus Kößl, 58, bewirtschaftet seit 1993 gemeinsam mit seiner Frau und seinem ältesten Sohn einen Bioland-Milchbauernhof im Allgäu.

taz am wochenende: Als Milchbauer müssen Sie jeden Morgen zum Melken früh aufstehen und fit sein. Wie machen Sie das?

Klaus Kößl: Nicht so spät ins Bett gehen, das ist ganz einfach. Ich beginne mit der Stallarbeit jeden Tag um sechs Uhr und stehe 15 Minuten vorher auf. Der Körper gewöhnt sich daran. Selbst wenn ich mal den Wecker ausgeschaltet habe, wache ich zur gleichen Zeit auf. Und am Wochenende, da gönnt man sich dann halt mal den Nachmittagsschlaf.

Sie können nicht mal eben so Urlaub nehmen. Finden Sie im Alltag Erholung?

Wir nehmen uns Zeit und gehen in die Berge oder im Sommer zum Baden. Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb gäbe es immer etwas zu tun. Immer locker bleiben, würde ich sagen. Das Leben ist ja nicht bloß zum Arbeiten da, sondern die Arbeit ist dazu da, dass man leben kann. Und dass die Familie nicht ins Hintertreffen gerät, das finde ich sehr wichtig. Das habe ich auch immer sehr geschätzt an meiner Arbeit.

Sie sind rund um die Uhr für die vielen Tiere auf Ihrem Hof verantwortlich. Was ist das für ein Gefühl?

Das ist natürlich schon ein Faktor, der … „belastet“ möchte ich nicht gerade sagen, aber manchmal ist man schon angespannt. Wir haben jetzt 135 Tiere insgesamt, und da hat man schon Verantwortung, dass es läuft.

War Bauer Ihr Traumberuf?

Nein, eigentlich gar nicht, ich bin ja Seiteneinsteiger. Ich habe eine Lehre als Kfz-­Elektriker gemacht. Aber Selbstversorger auf dem Lande, das hat mich fasziniert und das habe ich einige Jahre gemacht. Es war viel Arbeit, brachte aber wenig Geld, das war nicht so schön. Jetzt bewirtschaften wir einen mittleren Biomilchviehbetrieb mit 70 Kühen, der bietet die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Trotzdem haben wir ein Stück von dem, was wir früher gemacht haben, beibehalten. Wir haben Hühner, ein paar Schafe, Bienen, einen großen Gemüsegarten und einige Obstbäume.

Und sind Sie zufrieden?

Ja klar, ich möchte jetzt nichts anderes mehr machen. Ich könnte mir nicht vorstellen, in irgendeiner Firma zu arbeiten. Wenn, dann müsste es auch ein Job sein, in dem man relativ selbstständig arbeiten kann, ohne das jemand reinredet.

Vermissen Sie es nicht, ein arbeitsfreies Wochenende zu haben?

Sicher ist das angenehm, aber ich hab ja auch einmal im Monat sonntags frei. Und dafür habe ich auch das Vorrecht, dass ich zum Beispiel unter der Woche mal zum Skifahren gehen kann, wenn andere nicht gehen können, weil sie in ihrer Firma sind. Das ist mein Vorrecht, und das genieße ich.

Interview: Jonathan Auer