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Demokratie ist machbar

Die von der Sängerin Nena gegründete „Neue Schule Hamburg“ wurde lange belächelt – mittlerweile behauptet sie sich im elften Jahr

Wo die Kinder bestimmen: die „Neue Schule Hamburg“ der Sängerin Nena Foto: Miguel Ferraz

Nena sollte sich schämen

Welche Chancen hat ein minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan, als Schüler an diese allem Anschein nach elitäre Privatschule für Besserverdiener- und Politikerkinder „gewählt“ zu werden?

Auf solche Schulen schicken Helikop­tereltern ihre sensiblen Turnbeutelvergesser-Kinder, damit sie nicht mit „bösen“ benachteiligten Flüchtlingskindern in eine Klasse gehen müssen!

Nena sollte sich schämen, so etwas initiiert zu haben! Maike123, taz.de

Staat verliert Kontrolle

@Maike123 Mehr Vorurteile gehen kaum in ein Post. Das ist definitiv die falsche Schule für Helikopter-Eltern.

Das Problem ist die deutsche Schulhausanwesenheitspflicht. Und das Beharren darauf verhindert alternative Konzepte.

Bei mehr Lernfreiheit verliert der Staat die Kontrolle über die Lerninhalte. Und wo kämen wir hin, wenn wir unsere Kinder zu selbstständig denkenden Menschen erziehen würden. Gastnutzer 42, taz.de

Kinder wollen Noten

Mich würde mal interessieren, was passiert, wenn die Kinder in die böse, böse Welt entlassen werden. Vom Ponyhof in den Leistungskurs, wie funktioniert das denn? Auf einmal Prüfungen, Lehrplan, Klausuren ...

Tut man den Kindern wirklich einen Gefallen, wenn man sie so betütelt? Kinder sind komischerweise leistungsorientiert, sie wollen Noten, sie wollen den Wettkampf, sie wollen sich mit der realen Welt auseinandersetzen. Natürlich kann man das Klassenbuch durch Hightech-Überwachung ersetzen und alles schön basisdemokratisch ausdiskutieren – was passiert aber, wenn die Kinder aus der Schule kommen und merken, dass sie in einem Elfenbeinturm aufgewachsen sind? Frank Stippel, taz.de

Deutlich mehr Druck

@Frank Stippel Ein Elfenbeinturm sieht bei mir anders aus. Liest man zwischen den Zeilen, scheint mir hier deutlich mehr Druck aufgebaut zu werden als an staatlichen Schulen. Ich finde es eher ein krasse Erfahrung, bereits als 5-Jährige mitgeteilt zu bekommen „Du bist hier nicht gewollt“. Das „Lösungskomitee“ deutet Demokratie an, es ist jedoch nicht durch Vorschriften und Gesetze geregelt wie z. B. eine Schulkonferenz. Auch steht dagegen kein Rechtsweg offen wie an staatlichen Schulen. Sehr viel Macht für Kinder. Es würde mich interessieren, ob dadurch nicht eher ein enormer Anpassungsdruck geschaffen wird, der eine wirklich individuelle Entwicklung eher erschwert. Cerberus, taz.de

„Dich wollen wir hier nicht“

Bin ich der Einzige, den es irritiert, dass die Kinder auf dieser Schule angeblich vom Lernstress befreit werden sollen, gleichzeitig aber gewählt werden müssen, wenn sie auf die Schule kommen wollen? Was das wohl bei einem 6-jährigen Kind auslöst, wenn es nach zwei Wochen Probezeit im Rahmen einer Wahl widergespiegelt bekommt: Dich wollen wir hier nicht. Und wenn, wie in dem genannten Beispiel, dasselbe Kind diese Erfahrung zweimal machen musste? Ich will gar nicht wissen, was da während der dritten Probezeit in ihm vorgegangen ist. Ich glaube, da ist ’ne 4 in einer Klassenarbeit besser zu verkraften. Sophokles, taz.de