Noch mehr Stinker ausgesperrt

FEINSTAUB Ab 1. Januar gibt es 40 Umweltzonen. Und die ersten Städte verschärfen die Regeln: In Hannover und Berlin dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette fahren

Auch die Nachrüstung von kleinen Nutzfahrzeugen mit Rußfiltern soll gefördert werden

VON KLEMENS KÖHLER

Ab dem 1. Januar 2010 werden in vier Städten die Umweltzonen verschärft. In Hannover und Berlin sind dann in den Innenstädten nur noch Fahrzeuge mit einer grünen Umweltplakette zugelassen. In Bremen und Frankfurt am Main brauchen sie eine gelbe oder eine grüne Plakette. Die rote reicht dann nicht mehr. Weitere sechs Städte führen das Verbot für Fahrzeuge mit einem zu hohen Partikelausstoß neu ein.

Begründet werden Umweltzonen mit der Feinstaubbelastung, die in vielen Städten über den von der EU festgelegten Grenzwerten liegen. Die Konzentration der Feinstaubpartikel darf danach an höchstens 35 Tagen pro Jahr höher sein als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Partikel unter einer Größe von 10 Mikrometern gelten als gesundheitsschädlich, denn sie können durch die Atemluft in die Lunge gelangen. Noch gefährlicher sind Kleinstpartikel, die bis in die Lungenbläschen vordringen. Die möglichen Folgen reichen von Allergien bis zur Staublunge. Allein in Deutschland sterben nach EU-Schätzungen rund 70.000 Menschen jährlich vorzeitig an Erkrankungen, die durch zu viel Feinstaub verursacht werden.

Der Anteil des Verkehrs an der menschlichen Feinstaubemission schwankt je nach Region zwischen 5 und 20 Prozent. Dazu kommt die sogenannte regionale Hintergrundbelastung durch Industrie und in Städten die urbane Hintergrundbelastung. Wegen des vergleichsweise geringen Anteils des Verkehrs fordert der Autofahrerverband ADAC immer wieder die Abschaffung der Zonen.

Nach Erkenntnissen der EU-Kommission wirken sich die Zonen dagegen bereits jetzt positiv aus, obwohl es bisher nur Fahrverbote für Dieselfahrzeuge gibt, die gar keine Plakette bekamen: So zeigten Untersuchungen in Berlin, dass der Ausstoß von Feinstaub durch Fahrzeuge um 24 Prozent niedriger war als vor Einführung der Zone. „Wahrscheinlich achten viele Menschen bereits jetzt beim Kauf eines Autos darauf, dass sie damit auch in Zukunft überall fahren dürfen“, mutmaßt Jürgen Resch vom Umweltverband Deutsche Umwelthilfe (DUH). Im Übrigen bringe die Regulierung des Verkehrs eine ganze Menge: An den Messstationen, an denen der Grenzwert am häufigsten überschritten werde, habe er den größten Anteil am Feinstaubaufkommen.

Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) plädiert für weitergehende Maßnahmen und fordert den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und von Radwegen. Außerdem müsse die Förderung von Partikelfiltern für Diesel-Pkws aufgestockt werden. Bisher werden jedem privaten Autobesitzer bei der Nachrüstung seines Fahrzeugs 330 Euro ausgezahlt. Allerdings werden dabei auch offene Systeme gefördert. Diese sind billiger, aber auch ineffizienter als geschlossene. Gerade bei den feinsten und damit gefährlichsten Partikeln sei ihre Wirkung zu gering, so Reh. Nur geschlossene Systeme sollten deshalb höher gefördert werden.

Zwar will die Bundesregierung nicht ganz so weit gehen, aber immerhin verlängert sie die Subventionierung, die eigentlich zum Jahreswechsel auslaufen sollte. Einbezogen werden sollen auch kleine Nutzfahrzeuge. Das soll vor allem Handwerksbetriebe entlasten.

Bis Montag wurden die Grenzwerte immer noch an zwölf Messstationen an mehr als 35 Tagen überschritten. Eine abschließende Bilanz gibt es erst mit dem Jahreswechsel, denn in der Silvesternacht erreichen die Werte oft noch mal ein Vielfaches der zulässigen Feinstaubmenge. Daran könnte die eine oder andere Kommune noch scheitern.