Unterm Strich

Die neue Republik müsse mehr sein als eine Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, sie bedürfe der gemeinsamen kulturellen Zukunft — so lautet eine am Montag in Wiesbaden formulierte Entschließung der Mitglieder des Deutschen Bühnenvereins, die Bund, Länder und Gemeinden um Hilfe baten. Viele deutsche Theater und Orchester gerieten zunehmend in finanzielle Engpässe, die immer bedrohlichere Formen annähmen. Vor allem Häuser in den neuen Bundesländern stünden vielfach vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Präsident August Everding, Generalintendant in München, bat, in den neuen Bundesländern vor allem auch für den Erhalt der kleinen Bühnen in der Provinz zu sorgen, da diese erst die kulturelle Vielfalt ermöglichten. Everding kritisierte , daß durch die unterschiedlichen Tarifverträge der einzelnen Berufsgruppen am Theater eine rationelle Arbeit verhindert würde. Hier gelte es, mit den Gewerkschaften einheitliche Tarifgebilde zu finden. Dem enormen ökonomischen Druck, dem die Theater in den neuen Bundesländern ausgesetzt sind, riet der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Dieter Görn, mit der Aufgabe oder Zusammenlegung bestimmter Sparten zu begegnen. „Wir werden noch eine Zeitlang damit leben müssen, daß bei den steigenden Arbeitslosenzahlen, den vielfältigen neuen Anreizen wie Fernsehen, Urlaubsreisen der Theaterbesuch in der Priorität nach hinten rückt.“

Als „bedrückend“ und „dramatisch“ bezeichnete der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Freimut Duve, bei einer Tagung in Schwerin am Montag die Lage von Kunst und Kultur in Ostdeutschland. „Die Unterstützung darf nicht abrupt heruntergefahren werden“, forderte Duve im allerschönsten Deutsch. Die Bundesregierung soll ostdeutsche Kultur- und Kunsteinrichtungen zumindest bis zur Mitte der 90er Jahre auf dem Niveau von 1992 finanziell unterstützen. Ohne die Beibehaltung des Sonderfonds, der für kulturelle Aufgaben in den neuen Ländern derzeit rund eine Milliarde Mark jährlich bereitstellt, seien die Länder und Gemeinden nicht in der Lage, aus eigener Kraft die ihnen verfassungsgemäß obliegenden kulturellen Aufgaben wahrzunehmen. Von den Schließungen seien auch öffentliche Bibliotheken und Kulturhäuser betroffen. Dies habe für das soziale Gefüge Ostddeutschlands „katastrophale Folgen“.

Mit dem Betriebsklima scheint es im Wiener Burgtheater nicht zum besten zu stehen. Zum Ende der Saison wollen einige bekannte Schauspieler das Ensemble verlassen. Es handelt sich dabei vorwiegend um Schauspieler, die Claus Peymann, als er vor sechs Jahren Direktor des Burgtheaters wurde, aus Bochum mitbrachte oder die er mittlerweile neu engagiert hat. Ignaz Kirchner geht ans Deutsche Theater Berlin, Joachim Bißmeier ans Frankfurter Schauspiel, Tobias Langhoff an die Münchner Kammerspiele. Auch Uwe Bohm und Julia von Sell verlassen das Ensemble. Das Ausscheiden von Gert Voss dürfte nur ein Gerücht sein. Über Neu-Engagements wird Direktor Claus Peymann vermutlich in seiner Saisonschluß-Pressekonferenz Ende Juni berichten.