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■ StörzeileOrden für IM Günther

So ein IM ehrt ja auch: Wie mickrig, bedeutungslos und banal müßte sich die Hamburger CDU vorkommen, hätte sie nicht wenigstens auch ein paar richtige Spione beherbergt. Wo es doch in jeder Hamburger Firma einen gab. Außerdem: Die Taktik des Wolfgang Jäger, das DDR-System finanziell auszuhöhlen, ging doch völlig auf.

Außer Fluchtwegen von Bekannten, die er stets erst nach erfolgreicher Republikflucht ans Ministerium weitergereicht haben will, hat er kaum viel verraten können. Was soll der Harburger Ex-Bezirksabgeordnete Jäger an brisanten Staatsgeheimnissen der Firma Horch & Lausch gesteckt haben?

Infos über Hamburgs versteinert lächelndes CDU-Honigkuchenpferd Hartmut Perschau oder über Jürgen Echternach, den wegen seines parteiinternen Demokratieverständnisses berühmt gewordenen Hamburger Ex-CDU-Chef? Oder Volker Rühe, der als Kommunalpolitiker fürs Spionagegeschäft kaum was hergab. Doch vor allem: Wieviele der von Franz-Josef Strauß selig erbettelten Devisen hat die Stasi dafür zum Fenster hinausgeworfen?

Also sollte die Hamburger CDU ihrem „IM Günther“ besser irgendeine Verdienstmedaille umhängen. Denn Jäger, der für die Stasi erpreßbar war, weil die Bewährung seiner Schwester auf dem Spiel stand, hat den bösen, aber armen Sozialisten mit Marginalien die Kohle aus der Tasche georgelt.

Wie lange hätte der stramme Arbeiter- und Bauernstaat noch bestanden, wie lange hätten seine Bewohner noch auf Bananen und die Pauschalreise nach Mallorca warten müssen – ohne „IM Günthers“ subversive Aktion?

Julia Kossmann

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