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Arbeitslose als „Sprengstoff“

■ SOFI-Wissenschaftler befürchten „Kampf der Unterprivilegierten“

Die Dauerarbeitslosigkeit von rund einer halben Million Bundesbürger kann sich zum „politischen Sprengstoff“ ausweiten und droht, „sich im Kampf der Unterpriviligierten zu entladen“. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen. Finde die Politik keine überzeugende Antwort auf die Ausgrenzung der Dauerarbeitslosen, seien diese auch „am ehesten bereit, zu rechtsradikalen Lösungen zu greifen“, schreiben die Autoren Martin Kronauer und Berthold Vogel in ihrer Studie.

Fremdenfeindliche Äußerungen seien dagegen von den in zwei Kleinstädten befragten 115 Männern und Frauen trotz des hohen eigenen Ausgrenzungsdrucks kaum zu hören gewesen. Die rund 500.000 Dauerarbeitslosen unter den knapp 3,5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland bilden nach Ansicht der beiden Wissenschaftler eine eigene „soziale Schicht“. Die meisten seien tief verunsichert und hätten nach meist mehr als zweijähriger Erwerbslosigkeit die Arbeitssuche eingestellt.

Die Betroffenen fühlten sich nutzlos. Ihre Lebenspläne und ihre eigene soziale Identität hätten sie aufgegeben. Sie hätten eine durchaus begründete Furcht vor dem nicht umkehrbaren Abstieg und sähen keine Möglichkeit mehr, diesen Zustand durch eigenes Handeln zu ändern. Den zumeist älteren Arbeitssuchenden sei drastisch vor Augen geführt worden, daß sie am Arbeitsmarkt nicht mehr zählten.

Die beiden Sozialforscher plädieren dafür, den Arbeitslosen Aktivitäten verschiedendster Art zu erhalten. Für Arbeitslose, die einigermaßen sicher sind, daß sie in das Erwerbsleben zurückkehren können, könne die „Auszeit“ eine Chance sein, Wünschen nachzugehen, die sonst im Alltagsleben zu kurz gekommen seien.

Für diejenigen, die die „Arbeitsgesellschaft“ überflüssig gemacht hat, verliere auch die arbeitsfreie Zeit ihren Sinn. Ihnen bleibe nur der Ausweg, durch den Rückzug in den „Kreis der Entbehrlichen sich Sinnzonen am Rand der Gesellschaft zu bewahren.“ Es sei deshalb notwendig, über eine grundlegende Neugestaltung von Erwerbsarbeit nachzudenken, die eine gesellschaftliche Neuaufteilung der Arbeit ermöglicht und nicht auf einer bloßen Arbeitszeitverkürzung für die bereits Beschäftigten stehenbleibe. dpa

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