: Arbeiter abgestürzt
■ Arbeitnehmerseite scheiterte im Flughafen-Aufsichtsrat / Erneut keine Entscheidung zum Standort des Großflughafens
ÖTV-Chef Kurt Lange ist gestern mit seinem Anliegen gescheitert, eine Entscheidung zugunsten eines Großflughafens in Sperenberg durchzusetzen. Im Aufsichtsrat der Berlin Brandenburger Flughafen Holding (BBF), dessen Mitglied Lange ist, setzte sich die Arbeitgeber- gegen die Arbeitnehmerseite durch und verhinderte eine Festlegung auf einen Standort. Die Arbeitgeberseite folgte damit den drei Gesellschaftern Bundesregierung, Brandenburg und Berlin. Diese hatten sich vor kurzem darauf geeinigt, daß Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) prüft, ob private Geldgeber einen Flughafen in Sperenberg und die Auto- und Eisenbahnzufahrten zum größten Teil finanzieren.
Falls dies nicht möglich sei, soll der Großflughafen in Schönefeld Süd gebaut werden, weil hier die Zufahrten unmittelbar zum Südrand des heutigen Flughafengeländes mehr als eine Milliarde Mark billiger sein sollen.
Die Aufsichtsratssitzung sollte gestern gegen 14 Uhr enden, zog sich aber um mehrere Stunden in die Länge. Grund waren die schwierigen Verhandlungen über den Standort eines Großflughafens und über die Zukunft des Flughafens Tempelhof. Die Arbeitnehmer wollten nämlich den Ausbau Schönefelds ablehnen, sollten die Arbeitgeber die Zustimmung für einen Großflughafen verweigern, hieß es gestern bei der ÖTV. Das Problem bei der ÖTV- Drohung: Sollte der Bau des neuen Abfertigungsgebäudes „Terminal- West“ weiter verzögert werden, könnte das Projekt der „Airport- City“ platzen. Die Investitionen für den Komplex rentierten sich nämlich nur, wenn zeitgleich zur Eröffnung das neue Terminal in Betrieb geht, sagen die Investoren. Ansonsten seien zuwenig Kunden zu erwarten.
Bis Redaktionsschluß war unklar, ob der Flughafen Tempelhof bis 1998 benutzt werden soll. Die BBF-Geschäftsführung will bis dann die Zahl der Passagiere auf über 3 Millionen verdreifachen. Derzeit macht Tempelhof jährlich knapp 30 Millionen Mark Verlust. Dirk Wildt
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