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Arbeit im Bundestag?

Berlin (taz) — Bundestagsabgeordnete der CDU, FDP und SPD haben ihre Amerikanisierungsphase erfolgreich abgeschlossen: Sie fordern — wie in den USA inzwischen alltäglich — den Boykott eines Liedguts. Dieses befindet sich auf der neuen Platte des US-Megastars Prince und trägt den niedlichen Titel „You sexy Motherfucker“. Die deutschen „Volksvertreter“ ereiferten sich über den Song in der Berliner Tageszeitung BZ (Dienstagausgabe).

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Maria Michalk, bezeichnete das Lied als einen Beitrag zur Gewaltverharmlosung. „Das Schlimme: Kinder und Jugendliche sind von dieser Musik begeistert, ohne sich über den Text Gedanken zu machen. Unterschwellig werden dadurch falsche Verhaltensmuster geprägt, die zur Nachahmung reizen“, schnaubte Michalk. „Die Rundfunkanstalten müssen deswegen jetzt zu ihrer Verantwortung stehen und solche Lieder in Zukunft boykottieren.“ Ihr Fraktionskollege Werner Skowron brandmarkte die Weise als Skandal. „Der Titel ist doch pervers. Kein Radiosender sollte dieses Lied spielen.“

Die gleiche Forderung erhob die jugendpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Margret Funke-Schmitt-Rink. „Die neueste Single von Prince ist eine Verherrlichung von sexueller Gewalt. Ich halte zudem die in dem Lied enthaltenen Sätze für eine totale sprachliche Entgleisung.“ Auch der SPD- Bundestagsabgeordnete Fritz Rudolf Körper bekam beim Zuhören rote Ohren und Schaum vor dem Mund. Er betonte: „Die Rundfunkanstalten, insbesondere die öffentlich-rechtlichen, haben eine klare Verantwortung gegenüber jugendlichen Zuhörern. Sie können sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen: Was wir senden, geht nur uns etwas an. Hier gibt es Grenzen. Das neueste Lied von Prince überschreitet diese Grenze eindeutig.“ Nur der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Horst Gibtner scheint Englisch zu verstehen, nicht den Wirbel: „Der Text handelt von der natürlichsten Sache der Welt. Warum sollte man ihn verbieten?“

Schwierigkeiten haben derzeit auch die famosen Osnabrücker Punkrocker „Die angefahrenen Schulkinder“. Hatten sie in ihrem letzten Hit den Saftkönig Rolf Dittmeyer aufs Korn genommen („Tötet Onkel Dittmeyer“), so nehmen sie sich auf ihrer neusten Platte eine Ikone des teutonischen Fernsehzimmers zur Brust: das Fräuleinwunder Steffi Graf. Der Song heißt „I Wanna make Love to Steffi Graf.“ Das findet, laut Bild, nicht nur Lutz Ackermann, Musikchef von NDR 2, „einfach nur ekelhaft.“ Der Song wird von sämtlichen Rundfunkanstalten boykottiert. Offensichtlich nicht der „Beginn einer kochenden Leidenschaft“. kweg/-pa-

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