: Arbeit hält gesund
Wenn es um Leben oder Tod geht, zeigen sich in Berlin lokale Unterschiede. Die Sterblichkeitsrate für unter 65jährige Menschen ist in Kreuzberg doppelt so hoch wie in Zehlendorf. Ein Zusammenhang zur Arbeitslosenrate – hier dreimal höher als dort – drängt sich auf, auch wenn konkrete Einflüsse schwer zu belegen sind. Langzeitarbeitslose stürben fast doppelt so häufig wie der Durchschnittsmensch, erklärte Johannes Spatz von der Plan- und Leitstelle Abteilung Gesundheit im Bezirksamt Hohenschönhausen.
Um mehr über die gesundheitliche Lage von Berliner Arbeitslosen zu erfahren, hat diese Plan- und Leitstelle zusammen mit dem Arbeitslosenverband im letzten Jahr eine Fragebogenaktion durchgeführt. Arbeitslose und ÄrztInnen wurden zum Thema „Gesundheit und soziale Lage“ befragt, mit nahezu den gleichen Fragebögen. 374 Arbeitslose, etwa 5 Prozent der betroffenen Hohenschönhauser, und 58 ÄrztInnen haben sich beteiligt. Marie- Anetta Beyer, Leiterin der Arbeitsgruppe, stellte den Bericht auf dem Kongreß vor.
Rund 64 Prozent der Arbeitslosen gaben an, daß seit dem Verlust des Arbeitsplatzes depressive Stimmungen häufiger geworden seien. Bei Langzeitarbeitslosen waren es sogar knapp 75 Prozent. Auch über mehr Schlafstörungen als früher klagen mehr als die Hälfte. Jeder sechste hat, den Ergebnissen zufolge, öfter als zuvor Selbstmordgedanken gehabt. Bisweilen fallen Geschlechtsunterschiede auf: Unter den Männern nahm, den Antworten zufolge, das Trinken stärker zu als bei Frauen, die dafür ihren Medikamentenkonsum gesteigert hatten.
Die Ärzte wurden – sehr allgemein – gefragt, welche Entwicklungen sie bei ihren arbeitslosen Patienten feststellen. Neun von zehn antworteten, daß bei letzteren „depressive Stimmungen“ zunehmen. Von vermehrten Suizidgedanken berichtete die Hälfte. Das Fazit von Marie-Anetta Beyer und Johannes Spatz: „Arbeit ist die wahre Medizin für Arbeitslose.“ mf
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