Apple-Fabriken in China werden überprüft: Inspektionen in den Sweatshops

Der IT-Konzern Apple hat eine industrienahe Organisation beauftragt, die Apple-Produzenten in China zu prüfen. Dort hatten Arbeiter mit kollektivem Suizid gedroht.

Sieht aus wie ein schicker Arbeitsplatz. Ist es aber nicht. Bild: reuters

BERLIN taz | Die Organisation Fair Labor Association (FLA) prüft jetzt beim Apple-Produzenten Foxconn in China die Produktionsbedingungen. Dies erklärte der kalifornische Konzern am Montag. Apple besitzt keine eigenen Fabriken, sondern lässt vor allem in China in dortigen Elektronikfabriken produzieren.

Die Arbeitsbedingungen beim größten Produzenten, Foxconn, der zur taiwanischen Hon Hai Holding gehört, gerieten durch eine Suizidserie im Jahr 2010 in die Schlagzeilen. Hinzu kamen Unfälle, Vergiftungen, Fälle von Kinderarbeit und zuletzt bei einem Arbeitskampf sogar die Drohung mit kollektivem Suizid.

Der Rekordumsätze machende Apple-Konzern war erst kürzlich der FLA in Washington beigetreten. Die 1999 gegründete Organisation geht auf eine Initiative der Regierung von Bill Clinton zurück, um Arbeitsbedingungen in als Ausbeuterbetrieben ("Sweatshops") kritisierten Fabriken zu untersuchen. FLA widmete sich zunächst der Bekleidungsindustrie. Zu den Finanziers und Mitgliedern gehören unter anderem Nike, Adidas und Nestlé. Apple wurde als erster IT-Konzern FLA-Mitglied .

FLA-Experten würden jetzt "Tausende von Arbeitern über ihre Arbeits- und Lebensbedingungen befragen", kündigte Apple-Chef Tim Cook am Montag an. Sie würden fragen nach Gesundheit, Sicherheit, Bezahlung, Arbeitszeit und Kommunikation mit der Geschäftsführung. Inspiziert würden auch die Wohnheime. Die Ergebnisse würden auf der FLA-Webseite veröffentlicht.

Am Montag begannen die Untersuchungen bei Foxconn in Schenzhen bei Hongkong. Dort werden unter anderem iPods, iPhones und iPads produziert. Bis Januar hatte Apple Namen und Orte seiner anderen Produzenten als Betriebsgeheimnis gehütet. Damit waren auch Apples bisherige interne Untersuchungen nicht überprüfbar.

Doch selbst für Apple waren diese ernüchternd. So hielt nur 38 Prozent der Zulieferer die Maximalarbeitszeit von 60 Stunden und sechs Wochenarbeitstagen ein. Ein Drittel beachtete die jeweiligen Gesundheits- und Unfallverhütungsvorschriften nicht.

"Der Grund für Apples FLA-Inspektionen ist nicht die Lösung der Probleme, sondern weil Apple damit PR machen und wieder ein positives Image erlangen will", kommentierte Li Qiang von der Organisation China Labor Watch in New York.

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