Angriff auf Iran: „Gewaltiger Zorn“ mit steigender Intensität
Die USA und Israel greifen Iran an, der schlägt in der Region zurück. Der Tod Ali Chameneis heizt den Krieg weiter an. Hunderte sollen bereits tot sein.
Die Militäroperation Epic Fury (Gewaltiger Zorn) beginnt in den frühen Morgenstunden des Samstags. Das US-amerikanische und das israelische Militär greifen zusammen in einem sogenannten „Präventivschlag“ die Islamische Republik Iran an. Der Ablauf der ersten Stunden erinnert an den Zwölf-Tage-Krieg im vergangenen Frühsommer: Zunächst fliegt das israelische Militär Angriffe auf die Luftabwehrsysteme des Iran, primär im Westen des Landes. Bis Sonntag erreichte das israelische Militär nach eigenen Angaben Lufthoheit in Iran.
Auch die US-Luftwaffe beginnt am frühen Samstag mit ihren Angriffen, laut dem zuständigen Militärskommando Cenctom auf Kommando- und Kontrollzentren der Islamischen Revolutionsgarden, iranische Luftabwehrsysteme, Raketen- und Drohnenstartplätze sowie Militärflughäfen. US-Präsident Donald Trump: „Wir werden ihre Raketen zerstören und ihre Raketenindustrie dem Erdboden gleichmachen. Sie wird wieder vollständig ausgelöscht werden. Wir werden ihre Marine vernichten.“
Mit den Angriffen einher geht erneut der Verlust der Internetverbindung in ganz Iran. Wenige können sich über Starlink mit der Außenwelt verbinden.
Bei den Angriffen wird eine Reihe hochrangiger Köpfe des iranischen Regimes getötet. Am signifikantesten ist dabei der Tod des Obersten Führers Ali Chamenei. Unter den weiteren Toten sind Ali Schamkhani, Berater Chameneis und Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats; Mohammed Pakpour, Kommandeur der Revolutionsgarden; Aziz Nasirzadeh, Verteidigungsminister; Abdolrahim Mousavi, Stabschef des Militärs; und Mohammad Shirazi, Chef des Militärbüros des Obersten Führers.
Iran schießt gegen seine Nachbarn
Der Angriff, dem Chamenei zum Opfer fiel, begann laut dem Medium Türkiye Today, als „Geheimdienstinformationen in letzter Minute auf ein seltenes hochrangiges Treffen in Teheran hinwiesen“. Diese Geheimdienstinformationen hätten bestätigt, dass Chamenei sich mit seinen wichtigsten Beratern in einer gesicherten Anlage im Zentrum von Teheran traf. Der US-Geheimdienst CIA hatte den Obersten Führer wohl monatelang verfolgt und „hochpräzise“ Informationen über seinen Aufenthaltsort geliefert.
Bis das iranische Regime den Tod Chameneis verkündete, vergingen allerdings viele Stunden. Erst in der Nacht zum Sonntag bestätigte das iranische Staatsfernsehen, was zuvor der israelische Premier Benjamin Netanjahu sowie US-Präsident Donald Trump erklärt hatten.
In den Stunden zuvor, im Laufe des Samstags hatte Iran mit Gegenangriffen begonnen, auf Israel – aber auch ganz massiv auf die arabischen Golfstaaten und Jordanien. Ziele sollen dabei vor allem US-Militäreinrichtungen gewesen sein. Doch auch zivile Infrastruktur wurde dabei getroffen.
Am Sonntag weiteten sich diese Gegenschläge aus, und Israel und Iran überzogen sich gegenseitig mit Angriffen. Nach der Bestätigung des Tods von Chamenei hatte Iran Rache angekündigt. Die israelische Armee teilte am Nachmittag mit, sie greife „Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an, mit steigender Intensität“. Einwohner berichteten von lauten Explosionen.
Auch Ahmadinedschad unter den Opfern
Auch in Israel können nicht alle iranischen Raketen abgefangen werden: Lokale Medien berichten am Sonntagnachmittag von acht Toten und 28 Verletzten bei einem Angriff in der Stadt Beit Shemesh.
In Teheran wird am Nachmittag auch der Tod des ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei einem Luftangriff gemeldet. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ilna befand sich der 69-Jährige zum Zeitpunkt des Angriffs mit Leibwächtern in seinem Haus im Osten der Hauptstadt.
Ahmadinedschad führte Iran als Staatspräsident von 2005 bis 2013. Zu Beginn galt er als Favorit des herrschenden schiitischen Klerus sowie der Hardliner und Konservativen im Parlament. Gegen Ende seiner Amtszeit wuchs die Kritik an seinem Kurs. Seine harte Linie in der Atompolitik löste internationale Sanktionen aus, die das Land in eine schwere Wirtschaftskrise führten.
Was bislang zu den Getöteten in Iran bekannt ist, weist darauf hin, dass der Fokus der US-israelischen Militärkampagne bisher auf den führenden Köpfen des Raketenprogramms liegt, außerdem auf den Revolutionsgarden und bekannten Hardlinern. Das passt zu der zuvor in den abgebrochenen Verhandlungen genannten Forderungen der USA nach einem Ende des iranischen Raketenprogramms und einem Ende der Unterstützung von „Proxies“ in der Region, also von iranisch unterstützten Milizen wie die Huthi in Jemen und Hisbollah in Libanon. Dafür sind die Revolutionsgarden zuständig.
Tote in einer Mädchenschule
Der Krieg hat derweil die ersten US-Opfer gefordert: Nach Angaben von Centcom wurden bislang drei US-Soldaten getötet, weitere teils schwer verletzt. Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Das US-Militär dementierte Angaben der iranischen Revolutionsgarden, den US-Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ attackiert zu haben. Französische Medien bestätigten aber den Beschuss der französischen Militärbasis in Abu Dhabi.
Nach Angaben des iranischen Roten Halbmonds starben am Samstag in Iran 201 Menschen infolge der Angriffe, davon allein 108 bei der Bombardierung einer Mädchenschule in Minab im Süden des Landes. Nach lokalen Behördenangaben stieg die Zahl der Toten in Minab am Sonntag auf 115. Israel erklärte, man sei sich keines solchen Angriffes bewusst. Ein Sprecher des US-Militärs sagte, man wisse von den Berichten. Am Sonntag wurden nach iranischen Angaben bis zum Nachmittag weitere 43 Menschen getötet. (mit Agenturen)
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