: Amnesty wirft China Folter von Frauen vor
■ US-amerikanischer Menschenrechtler festgenommen / Washington protestiert
Peking/Washington (dpa/AFP) Frauen in China werden in Haftanstalten vergewaltigt, „mit elektrischen Stöcken geschlagen und elektrischen Schocks an den Brüsten, Schenkeln und Sexualorganen ausgesetzt“. Dies geht aus einem Bericht hervor, der heute von amnesty international veröffentlicht wird. In China, dem Gastgeberland der nächsten UN-Frauenkonferenz im September, würden Frauen jahrelang eingesperrt, verfolgt und belästigt, weil sie an der Demokratiebewegung beteiligt waren oder sich für Menschenrechte einsetzen. Als Strafe für politische Verbrechen müßten sie Zwangsarbeit leisten und würden in der Haft abscheulich gefoltert und sexuell mißbraucht. In einigen Fällen sollen Hunde auf nackte Frauen losgelassen worden sein. Amnesty international zeigt sich zudem „äußerst besorgt“ über die Geburtenkontrolle, die mit Zwangsabtreibungen und Sterilisation durchgeführt werde. Sechs politische Gefangene sind seit 1991 in Tibet nach Folter im Gefängnis gestorben.
Unterdessen setzen die chinesischen Behörden ihr scharfes Vorgehen gegenüber Menschenrechtlern fort. US-Angaben zufolge wurde der aus China stammende amerikanische Aktivist Hongda Harry Wu bereits am 19. Juni an der chinesisch-kasachischen Grenze festgenommen. Die US- Behörden hätten Peking umgehend zu einer Stellungnahme aufgefordert, teilte eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Montag in Washington mit. Die US-Botschaft bemühte sich gestern, Kontakt zu Harry Wu aufzunehmen. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind nach einem Besuch des taiwanischen Präsidenten Lee Teng Hui Anfang Juni in den USA sehr gespannt. China hatte als Reaktion seinen Botschafter in den USA zurückbeordert.
Hintergrund für die Festnahme Wus sind offensichtlich dessen Enthüllungen über den Handel mit Organen von Hingerichteten. China wirft ihm jetzt Gesetzesverstöße bei einem früheren Besuch im Jahre 1994 vor, bei dem er ohne Genehmigung Sperrgebiete und verbotene Organisationen besucht und damit gegen die Vorschriften zur Ein- und Ausreise von Ausländern verstoßen habe. Harry Wu hatte sich damals mit der Journalistin Sue Lloyd-Roberts in einem Krankenhaus in Chengdu als potentieller Kunde für den Kauf einer Niere ausgegeben. Eine daraus folgende BBC-Dokumentation über den Organhandel hatte Peking als Fälschung zurückgewiesen. Wu und seiner Begleiterin wurden „schmutzige niedere politische Motive“ unterstellt. Hingerichteten würde nur mit Einwilligung der Todeskandidaten oder ihrer Familien Organe entnommen. Wu, der in Besitz eines Passes mit gültigem Visum ist, war nach eigenen Angaben insgesamt 19 Jahre lang als politischer Gefangener in China inhaftiert.
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