piwik no script img

Ambros Waibel Der WochenendkrimiDienst ist doch Dienst - und dann soll plötzlich alles schon vorbei sein?

Alte Hasen – sie können und können’s halt nicht anders! Um die hundert Folgen vollzukriegen, bekommen Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) einen Doppelabschieds-„Tatort“. In Folge 1 nehmen sie manchmal etwas forciert länglich, manchmal lustig männlich-unbeholfen Abschied vom Dienst, die fesche Staatsministerin von der Staatspartei verwechselt in der fünfzehnsekündigen Abschiedszeremonie natürlich auch noch die Namen.

In Folge 2 aber sind sie schon wieder mittendrin, und wir sagen es gleich: Wie die Sache ausgeht, hat der Bayerische Rundfunk nicht mal uns Journalisten verraten, wir wissen nichts, wir tappen im Dunklen, wir stehen ganz am Anfang, weil wir das Ende nicht kennen, wir warten auf den Montagabend genau wie Sie, verehrte Zu­se­he­r:in­nen an den Empfangsgeräten.

Warum Sie hier so etwas altbacken angesprochen werden? Weil die Sache mit der Doppelfolge zwar einerseits schon sehr nett ist, ruhiges Erzählen mit gut gesetzten Details ermöglicht; und man den beiden Burschen halt gern noch ein letztes Mal zuschaut, wie sie ihre nicht mehr ganz reschen Körper unter ihren inzwischen immer leicht geröteten Gesichtern durch das hier bemerkenswert großstädtisch fotografierte Millionendorf München (Kamera: Michael Schreitel) schieben, das ein oder andere Flascherl öffnen und den schlechten Dienstfilterkaffee beklagen.

Anderseits ist das hier eben durchaus ein vollkommen konventioneller „Tatort“ mit der schwind- und drogensüchtig aussehenden jungen Frau, mit dem Fürsorge- und Missbrauchsmilieu, der fatalen Geschwisterliebe, dem liebenswert-depperten bis bürokratisch-hantigen Personal im Amt, der ausländischen Mafia und den urdeutschen Profiteuren, den gewohnten Frotzeleien und den aufgedeckten Lebenslügen von Ivo und Franz.

Um die hundert Folgen voll­zu­kriegen, bekommen Batic und Leitmayr einen Doppel­abschieds-Tatort

Die wollen nämlich im Ruhestand zurück zu ihren Ursprüngen, um schnell zu erkennen, dass die Ursprünge gar nicht mehr da sind. Ein Porsche ist am Ende nur ein Porsche, also ein teures Hobby, und die Tanzpartnerinnen unter kroatischer Sonne stehen als Omas noch so im Leben, dass sie sich nicht so einfach bekochen und verführen lassen.

Einsamkeit, das Grundthema unserer Tage, blitzt auf; Singlemänner, die keine Freunde werden können, sondern auf ewig Kollegen bleiben wollen. Mehr als die Hälfte der Münchner Haushalte sind Einpersonenhaushalte, da ist schon auch ein realistischer Kern in dieser Doppelfolge „Unvergänglich 1 & 2“!

Und was kommt danach? Die Post-Nemec-Wachtveitl-Ära ist ja schon da! Das neue Team arbeitet bereits an seinem ersten Fall! Die neuen Kommissare Carlo Ljubek und Ferdinand Hofer hat der BR schon vergangenen September am Drehort getroffen! Und wer von den Älteren denkt da nicht an Helmut Fischer, der einst Gustl Bayrhammer beerbte!

Auf geht’s, weiter geht’s oder wie es im berühmten Zitat heißt: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“

Und wer unbedingt zurückblicken will, der kann sich am Ostermontag im Anschluss an den „Tatort“ die Doku „Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus“ reinziehen. Und ein Tränchen loswerden. Und ein Helles auf die beiden trinken. Die dann aber wirklich was ganz anderes tun dürfen in ihrem Leben außer Dienst.

München-„Tatort“: „Unvergänglich 1 & 2“, Ostersonntag und Ostermontag, jeweils 20.15 Uhr, ARD

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen