Alpine Frauen: Versteckspiel

Vor dem Start in die alpine Skisaison gibt das deutsche Frauenteam Anlass zu manchen Erwartungen: Trotz verkorkstem Start in die Riesenslalom-Saison.

Riesenslalom: Kathrin Hölzl ist die große Hoffnung des Deutschen Skiverbandes. Bild: dpa

SÖLDEN taz Wenn die beiden schnellsten Damen von der alpinen Abteilung des Deutschen Skiverbandes gemeinsam auftauchen, muss man einfach hinschauen - allein des optischen Kontrastes wegen.

Hier die groß gewachsene Maria Riesch und dort die zierliche, einen Kopf kleinere Kathrin Hölzl, die manchmal so wirkt, als ob sie sich verstecken würde hinter ihrer Teamkollegin. Maria Riesch ist die Rolle der Öffentlichkeitsarbeiterin gewohnt. Nimmermüde beantwort sie die vielen, immer gleichen Fragen so kurz vor dem Saisonstart der alpinen Weltcup-Saison. Kathrin Hölzl wartet geduldig, muss geduldig warten, bis sie an der Reihe ist.

Es ist schon schwer, sich gegen Maria Riesch zu behaupten, in fast allen Belangen. Die 23 Jahre alte Partenkirchenerin hat nach zwei Kreuzbandrissen und einem Einstiegsjahr in der vergangenen Saison auch sportlich wieder die Rolle der Teamleaderin übernommen, als Gesamtweltcup-Dritte und Gewinnerin der Disziplinwertungen im Super-G und der Kombination.

Aber zumindest beim traditionellen Saisonstart in Sölden am Wochenende schafft es Kathrin Hölzl, die Zimmerkollegin zu verdrängen. Die Berchtesgadenerin ist die beste Riesenslalomfahrerin des Deutschen Skiverbands und vertritt deshalb ihre Mannschaft beim internationalen Pressetermin des Hauptsponsors am Donnerstag.

Schon vor einem Jahr musste Kathrin Hölzl auf dieses Podium in der Söldner Freizeitarena, ein wenig unbehaglich fühlte sie sich, als sie mit dünner Stimme auf Englisch Fragen beantwortete. Da schien es so, als ob sie die große Maria Riesch herbeisehnte, hinter der man sich so gut verstecken kann. Dabei gab es gar nicht so viel Grund dazu, hatte sie sich doch längst etabliert als zweite Kraft.

Im vergangenen Winter wollte sie noch näher heranrücken an die wieder erstarkte Vorfahrerin, mit Podestplätzen in ihrer Paradedisziplin. Aber daraus wurde nichts. Konstant unter den besten zehn zu fahren war ihr zu wenig. Kathrin Hölzl wechselte deshalb im Frühjahr die Skimarke, fährt nun mit den gleichen Brettern wie die Vorjahresbeste im Riesenslalom, Denis Karbon aus Italien.

"Ich fühle mich sehr gut, aber warten wir es erst einmal ab, es kann so schnell auch anders sein." Maria Riesch wäre es ganz recht, wenn es nicht anders kommt, sondern wenn Kathrin Hölzl diesen kleinen Schritt Richtung endlich Podest hinbekäme, "denn das würde den Druck ein bisschen von mir nehmen. Im letzten Jahr war noch viel von mir abhängig."

Zumal sich die beiden auch kaum ins Gehege kommen würden. Riesenslalom ist die schlechteste Disziplin von Maria Riesch, aber der 25. Rang im Gesamtklassement, findet sie, "entspricht doch nicht meinem Leistungsvermögen".

Sölden war der Beginn einer verkorksten Riesenslalom-Saison mit nur drei Resultaten. Als Fünfte des ersten Durchgangs war sie im Finale kurz vor dem Ziel gestürzt, so etwas soll ihr am Samstag nicht wieder passieren. "Wichtig ist, ein Ergebnis stehen zu haben, das schwerste Saisonrennen in dieser Disziplin gemeistert zu haben".

Vor allem mit Blick auf den Gesamtweltcup, den sie sich zu Saisonbeginn eigentlich nicht gestattet, "da kann man mal im Februar daran denken, wenn man vorne dabei ist." Aber sie weiß, dass sie im vergangenen Winter die vielen Ausfälle am Ende vielleicht um den Gesamtsieg gebracht hatten.

Ihr Fokus liegt nicht nur auf der Weltcupsaison, sondern auch auf der WM im Februar in Val dIsere. Sportdirektor Wolfgang Maier weiß nicht nur Maria Riesch auf einem guten Weg, sondern in den technischen Disziplinen das gesamte Frauenteam. Hinter Kathrin Hölzl wartet in Viktoria Rebensburg (19) die nächste Anwärterin im Riesenslalom.

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