: Allgegenwärtiger Zynismus
■ betr.: "Clinton trotz Bedenken zur Luftbrücke entschlossen", taz vom 25.2.93
betr.: „Clinton trotz Bedenken zur Luftbrücke entschlossen“,
taz vom 25.2.93
Alle berichten, alle reden, alle sind entsetzt. Niemand fragt, woher die Waffen für die Serben kommen beziehungsweise traut sich zu sagen, daß sie aus der EG kommen und aus (zukünftigen) Nato-Ländern, deswegen können die USA so schlecht militärisch intervenieren (schade, daß der Kalte Krieg zu Ende ist).
Niemandem ist der allgegenwärtige Zynismus bewußt: Die Politiker debattieren darüber, wie wir am besten Asylbewerber und Flüchtlinge aus Deutschland fernhalten, und absolut zur selben Zeit werden Volksgruppen ausgerottet. In Israel wird ein Denkmal eingeweiht (deutsche Gäste, deutsches Geld etc.), ein weiterer Nie-wieder-Appell – und zur absolut selben Zeit wiederholt sich Anne Franks Schicksal, wiederholt sich Auschwitz, wiederholt sich My Lai.
Eine Schlußfolgerung muß sein: Es gibt Leute, die dies so wollen, weil das Leben eines Moslemkindes nichts zählt, weil die industrialisierte Welt Waffenproduktion braucht und weil wir in 50 Jahren in Ostbosnien ein Nie-wieder-Denkmal errichten wollen. J.Kreileder, Vilsbiburg
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