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Alles außer Golf und Tennis

■ Die gerade erst frisch renovierte norwegische Tageszeitung „Klassekampen“ wurde zum Neustart erst einmal bestreikt

Oslo (taz) – Mit neuem, flammendrotem Logo erschien am Mittwoch die norwegische Tageszeitung Klassekampen (Klassenkampf). Damit wollte der Verlag offenbar das Anbrechen neuer Zeiten signalisieren. Daß man eher ganz alte, längst vergangen geglaubte Zeiten fürchtet, machte unterdessen die Redaktion klar, die den neuen Chefredakteur Jon Michelet mit einem zweistündigen politischen Streik begrüßte.

Michelet war vom Verlag, in dem die maoistische AKP m-l das Sagen hat, am Montagabend zum Nachfolger des vergangenen Monats wegen seines zu parteiunabhängigen Kurses entlassenen Chefredakteurs Paul Bjerke ernannt worden. Gegen die Proteste der Redaktion und weiter Teile der LeserInnenschaft, die sich gegen die erneute parteipolitische Einbindung der Zeitung wehren, die sich in den letzten 20 Jahren ein wichtiges Stück Unabhängigkeit erkämpft und sich zum Sprachrohr der gesamten linken Szene Norwegens gemausert hatte (taz vom 7.10.97).

Während der Kriminalschriftsteller Michelet, der keine Erfahrung in der Zeitungsproduktion mitbringt, der AKP m-l aber offenbar die richtige Linientreue verspricht, als wichtigste erste Maßnahme einen Ausbau der Sportberichterstattung – außer Sportarten wie Golf und Tennis – ankündigte, teilte etwa die Hälfte der 23 Journalisten ihren Entschluß mit, Klassekampen verlassen zu wollen.

Dem Blatt drohen jetzt nicht nur die LeserInnen wegzulaufen, sondern auch ein Entzug der staatlichen Presseförderung, die zur Voraussetzung hat, daß sich Verlagseigentümer gerade nicht in den redaktionellen Teil einmischen. Und ohne diese umgerechnet knapp 2 Millionen Mark jährlich dürfte Klassekampen nicht lange überleben. Reinhard Wolff

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