: Alle wollen Moor
Foto: Quirin Leppert
Aus dem Donaumoos Dominik Baur (Text) und Quirin Leppert (Fotos)
Nein, ein Denkmal haben sie ihm hier noch nicht gesetzt, noch nicht einmal eine Gedenktafel angebracht. Doch genau hier war es. Ulrich Sorg zeigt auf die verwitterte Holzbank. Wer auf ihr sitzt, blickt Richtung Norden auf das bayerische Donaumoos: Äcker, Felder, Wiesen liegen dort unten. „Hier saß Söder“, erzählt Ulrich Sorg.
Sorg spricht vom 4. Mai 2021. Es war ein Dienstag, ein windiger Tag, auch damals war der Himmel wolkenverhangen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stieg auf den kleinen Hügel bei Langenmosen und verkündete ein Moorrenaturierungsprojekt beachtlichen Ausmaßes: 2.000 Hektar des Donaumooses würden innerhalb von zehn Jahren wiedervernässt werden, 200 Millionen Euro sollte es dafür geben.
Es war noch zur Coronazeit, Söder trug Maske. Er sprach von einer „pandemischen Herausforderung“, meinte jetzt aber den Klimaschutz. Es waren die Zeiten, als Söder seine umweltbewegte Phase hatte, als er im Münchner Hofgarten Bäume umarmte.
Auch Norbert Schäffer, der Vorsitzende des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) und qua Amt nicht unbedingt ein CSU-Claqueur, war an dem Tag in Söders Entourage – und jubelte. „Wir sind begeistert von den Plänen“, hieß es in einer Pressemitteilung der Naturschutzorganisation, „und erwarten nun deren konsequente Umsetzung“.
Söder-Hügel nennen die Donaumoosbewohner die Anhöhe bisweilen schon, wenn auch eher spöttisch. Denn sie selbst waren bei dem sehr kurzfristig anberaumten Termin nicht erwünscht. Wer dennoch kam, wurde am Fuße des Hügels abgewiesen.
Die Mösler, sagt Ulrich Sorg etwas später im Auto, seien ein misstrauischer Menschenschlag, „sehr beleidigungsfähig“. Es verwundert kaum, dass sich die Begeisterung bei der örtlichen Bevölkerung in Grenzen hielt. Einfach hierher zu kommen, ohne vorher mit den Leuten gesprochen zu haben, und dann über ihre Zukunft zu verfügen, das kam nicht gut an.
„Versumpfen“ war die Vokabel, die bald darauf die Runde machte. Die wollen uns versumpfen lassen. Was hängen blieb, war: Das Donaumoos soll wiedervernässt werden. Dass es nicht um das gesamte Donaumoos ging, dessen Moorfläche 12.000 Hektar umfasst, sondern nur um 2.000 davon, ging unter. Auch dass das Projekt auf Freiwilligkeit beruhte.
Sorg lenkt seinen Wagen nun direkt ins Moos. Der 75-Jährige, Vollbart, Brille, schwäbisches Idiom, ist längst pensioniert, aber das Donaumoos lässt ihn nicht los. Jahrzehntelang beschäftigte sich Sorg als Beamter mit Moorschutz, lange hier vor Ort, später dann als Koordinator für den bayernweiten Moorschutz am Landesamt für Umwelt in Augsburg.
Der Graben links neben der Straße sei einer der Hauptentwässerungsgräben, erklärt Sorg, er transportiere das Wasser in Richtung Nordosten – aus dem Moos hinaus und in die Donau hinein. Sorg biegt rechts ab in Richtung Ludwigsmoos.
An dieser Stelle ist vielleicht ein kleiner Einschub vonnöten, um zu erklären, warum die Aufregung um dieses Fleckchen Oberbayern gar so groß ist. Eine Fläche, die ungefähr so groß ist wie das nahegelegene Ingolstadt. Eine Fläche, auf der gerade mal 15.000 Menschen leben, nicht einmal halb so viele, wie bei Audi in Ingolstadt arbeiten. Aber eben auch eine Fläche, die es in sich hat. Oder besser gesagt, ihn: den Kohlenstoff, den das Moor bindet.
Das bayerische Donaumoos ist mit seinen 12.000 Hektar das größte Niedermoor Süddeutschlands. Insgesamt gibt es in Bayern 220.000 Hektar Moorfläche, von denen 200.000 Hektar trockengelegt sind. Hiervon wiederum werden 120.000 landwirtschaftlich genutzt, der Rest sind überwiegend Moorwälder. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Donaumoos unter Kurfürst Karl Theodor urbar gemacht, sprich: mit Gräben entwässert.
Um das neue Stück Land zu bewirtschaften, siedelte man hier Menschen aus ganz Süddeutschland an. Anfangs hatten sie es sehr schwer, auf dem ungewohnten Boden Landwirtschaft zu betreiben, jedoch ist dies seit Ende des 19. Jahrhunderts etwa durch angepasste Kartoffelsorten kein Problem mehr. Was sich allerdings als Problem herausgestellt hat: Der trockene Torf zersetzt sich, wenn er mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Die Folge: Der Boden sackt ab und CO2 wird frei. Und das im großen Stil.
Moore findet man zwar nur auf 3 Prozent der Landfläche der Erde, aber sie speichern doppelt so viel Treibhausgase wie alle Wälder zusammen. Seit den ersten Messungen vor knapp 30 Jahren besteht an ihrer enormen Bedeutung für den Klimaschutz kein Zweifel mehr. In Deutschland sind trockengelegte Moore für rund 7,5 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Aus ihnen entweichen jährlich rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in die Luft, 6,7 Millionen davon in Bayern und über 400.000 im Donaumoos.
Noch schneller geht dieser Prozess freilich, wenn ein trockengelegtes Moor in Brand gerät. Wie tückisch und gefährlich Torffeuer sein können, hat man jüngst im belgischen Hohen Venn gesehen. Dass Handlungsbedarf besteht, darüber gibt es keinen Zweifel.
Wie sehr der Boden in der Folge absinkt, ist im Donaumoos überall zu beobachten. Ulrich Sorg zeigt im Vorbeifahren auf die katholische Kirche von Ludwigsmoos. Acht Stufen führen hinauf zum Eingangsportal. Gebaut wurde sie seinerzeit ebenerdig. Auch die Keller vieler Wohnhäuser ragen aus dem Boden heraus.
In der Mitte von Ludwigsmoos hat Sorg schließlich sein Ziel erreicht: den sogenannten Moospegel. Der Holzpfahl am Straßenrand wurde 1860 errichtet und zeigt die Moorsackung ab 1836 an. Bis 2014 waren es 2,90 Meter. Aktuell geht man von einem weiteren Verlust von 1 bis 3 Zentimetern im Jahr aus. Torf, der unwiederbringlich verloren ist. Die Torfschicht darunter ist allerdings noch 2, 3 Meter dick – in manchen Gegenden sogar noch dicker. Sie zu retten, darum geht es.
Doch fünf Jahre nach Söders Aufschlag ist bei vielen Ernüchterung eingekehrt. Der einst so euphorisierte LBV etwa kommt nun zu dem Schluss, dass zwar erste Schritte getan seien, die Geschwindigkeit aber deutlich erhöht werden müsse. Im Donaumoos sind Stand Januar 2026 gerade mal 75 Hektar wiedervernässt worden. Bayernweit waren es seit 2019 1.706 Hektar. Dabei hatte die Staatsregierung 55.000 Hektar bis 2040 als Ziel ausgegeben, darunter 20.000 Hektar landwirtschaftlich genutzten Boden.
„Passiert ist in der Fläche also nichts“, ärgert sich Fachmann Sorg und spricht sogar von einer Verbrennung von Steuermitteln. 27 Millionen Euro seien von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium seit 2021 ausgegeben worden – für 75 Hektar.
Und die Grünen im bayerischen Landtag verlegten im Juni eine ihrer Fraktionssitzungen symbolträchtig ins Haus im Moor am Rande des Donaumooses. „Viel ankündigen, wenig umsetzen – das ist die bisherige Moorpolitik der Staatsregierung“, schimpfte dort Fraktionschefin Katharina Schulze. Und Patrick Friedl, Fraktionssprecher für Naturschutz, sagte: „Moorschutz geht nur gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten. Wer Flächen wiedervernässt, braucht Planungssicherheit, faire Vergütung und neue Einkommensquellen.“
Ein Satz, wie ihn wohl auch Gerhard Dittenhauser unterschreiben könnte – obwohl er eher nicht zur Grünen-Klientel gehört. Denn Dittenhauser ist einer dieser Landwirte, auch wenn er genaugenommen gar nicht mehr als Bauer arbeitet. Den Hof, den er im Nebenerwerb geführt hat, hat er an den Sohn übergeben. Hauptberuflich ist er noch immer in der Landhandelsfirma seines Onkels angestellt, die Kartoffeln und Zwiebel vertreibt.
Es ist ein heißer Sommertag in diesem ohnehin rekordheißen Sommer. Dittenhauser steht in kurzen Hosen in seinem Büro und schaltet erst mal das Radio aus. Von seinem Fenster aus blickt er auf das Firmengelände, das derzeit einen ziemlich verlassenen Eindruck macht. Denn nur von November bis Mai werden hier am Standort in Grasheim im Donaumoos Pflanzkartoffeln verpackt und verladen.
Dittenhauser ist hier so etwas wie der Sprecher der Kartoffelbauern. Als Vorsitzender der Interessensgemeinschaft (IG) Unser Donaumoos, die sich nach Söders Besuch gebildet hat, will er die Zukunft der Heimat nicht allein den Politikern überlassen.
Auf keinen Fall möchte Dittenhauser den Eindruck entstehen lassen, die Kartoffelbauern des Donaumooses seien Blockierer. Er sei auch grundsätzlich für eine Wiedervernässung. „Wo es geht, unbedingt.“ Was ihm jedoch fehlt, ist ein Gesamtkonzept. „Wir brauchen eine komplette Überplanung, wir müssen wissen, wo wir wiedervernässen können, wo wir das Wasser zurückhalten müssen, wie wir ein effektives Wassermanagement hinkriegen.“
Man müsse sich das Donaumoos wie eine Badewanne vorstellen, erklärt Dittenhauser, in die von überall Wasser hineinlaufe, von der aus es aber nur einen Abfluss in Richtung Donau gebe. „Und das möchten wir gern regulieren.“ Und zwar, betont er, nicht nur, indem man Wasser ablaufen lasse, sondern auch, indem man es zurückhalte, eventuell sogar in die Badewanne hineinpumpe.
Gerhard Dittenhauser, Sprecher der IG Unser Donaumoos
Aber in Sachen Gesamtkonzept sieht sich Dittenhauser von Politik und Behörden alleingelassen. „Unser Wasserwirtschaftsamt in Ingolstadt ist da sehr unzugänglich.“ Er habe jüngst einen Antrag gestellt, um einen Teilbereich des nötigen Wassermanagements durch ein Ingenieurbüro berechnen zu lassen. 70.000 Euro hätte das gekostet. Da habe es schon geheißen, das sei zu viel. „Von wegen 200 Millionen!“
Aber so wie Dittenhauser findet, dass wegen Politik und Behörden nichts vorangehe, so schlägt natürlich auch den Landwirten Misstrauen entgegen. „Die Kartoffelbauern wollten nach meiner Einschätzung den Schein vermitteln, dass sie der Moorschutz interessiert“, sagt etwa Ulrich Sorg, „aber tatsächlich sollte mit dieser IG ein Gegengewicht etabliert werden, damit möglichst kein Hektar Moorboden nass gemacht wird“.
Die gegenseitige Skepsis ist groß im Moos. Und zwischen allen Stühlen sitzt Michael Hafner. Der Geschäftsführer des Donaumoos-Zweckverbandes gehört zu denjenigen, an denen es hängenbleibt, vor Ort umzusetzen, was Söder bei seiner kurzen Visite ankündigte. Und der immer wieder mit der Frage konfrontiert wird, warum das nicht schneller geht. Hafner steht vor einer saftigen Weide am Westrand des Donaumooses, eine Rohrweihe fliegt vorbei, später auch noch ein Rotmilan. Weit hinten ziehen hellbraune Rinder durch das sumpfige Gras. Es sind Murnau-Werdenfelser, eine alte, besonders widerstandsfähige und für feuchte Standorte geeignete Rasse. Ein paar Dutzend sind es. Am Rand der Weide stehen Schilf und Rohrkolben.
Das hier, Hafner zeigt hinter sich, sei ein Musterbeispiel für seine Arbeit. Baierner Flecken nennt sich der Ausläufer des Donaumooses, Flächen wie ihn hätte Hafner gerne noch mehr. 35 Hektar ist er groß. „Das ist schon eine gewisse Hausnummer.“ Ein Teil davon gehört schon seit 20 Jahren dem Zweckverband und ist an ein Neuburger Ehepaar verpachtet, dem auch die übrige Fläche gehört. Von April bis November lässt es hier seine Rinder weiden.
Früher waren auch hier mal Kartoffeläcker und trockene Wiesen, durch die Wiedervernässung ist die noch relativ dicke Torfschicht geschützt, sodass der Baierner Flecken seinen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Aber auch für den Hochwasserschutz spielen solche Flächen eine wichtige Rolle. Bis zu 300.000 Kubikmeter Wasser können hier bei einem Hochwasserereignis zurückgehalten werden, sodass tiefergelegene Flächen geschützt werden. Und dem Artenschutz kommt die Fläche ebenfalls zugute – als Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen, zum Beispiel wiesenbrütende Vogelarten.
Aber natürlich sind bei aller Freude über den Baierner Flecken 2.000 Hektar noch mal eine andere Größenordnung. Und doch: Hafner freut sich über jeden kleinen Fortschritt. „Wir kaufen sehr viel“, erzählt er, „tauschen Grundstücke, haben im Donaumoos schon über 650 Hektar Eigentum.“ Von diesen hat man allerdings nur 200 seit Söders Ankündigung erworben. Und die Fläche ist nicht zusammenhängend, sondern zersplittert, sodass es einer gründlichen Flurbereinigung bedürfte, um hier überhaupt Gebiete wiedervernässen zu können.
Hafner setzt aber auch auf eine psychologische Wirkung von Orten wie dem Baierner Flecken: „Es geht hier ein Wanderweg vorbei. Wenn die Leute da spazieren gehen, nehmen sie vielleicht auch wahr, dass das Ganze gar nicht so dramatisch ist, wie manchmal befürchtet wird.“
Wenn das noch nicht genügt, dann lohnt sich ein Abstecher nach Weihenstephan. An der dortigen Hochschule forscht Matthias Drösler. Er ist der Mann, der in den Neunzigern zum ersten Mal durch Messungen belegte, wie hoch die Treibhausgasemissionen entwässerter Moore sind, und einer der profiliertesten Fachleute in Sachen Moore.
„Ich möchte auf keinen Fall die Botschaft vermitteln, die Schwierigkeiten seien zu groß, um das Thema anzugehen“, sagt Drösler. Er sitzt am Kopfende des großen Besprechungstisches im Konferenzraum seines Instituts, reicht Kekse und hält nichts von Schwarzmalerei. Man dürfe keine lineare Extrapolation in die Zukunft vornehmen, sagt er. Heißt übersetzt: Es wird nicht im bisherigen Tempo weitergehen. Im Gegenteil: „Ich glaube, wir stehen am Anfang einer Exponentialkurve.“ Die Rahmenbedingungen hätten sich mittlerweile deutlich verbessert, sodass die Prozesse jetzt ins Laufen kommen könnten – schneeballartig.
Nicht dass Drösler nicht auch Hürden sieht. Wie Gerhard Dittenhauser vermisst er das Gesamtkonzept für ein funktionierendes Wassermanagement. Und wie Ulrich Sorg findet er, dass eigentlich noch viel mehr Moorfläche wiedervernässt werden müsste, als es sich die Staatsregierung vorgenommen hat. „Natürlich gibt es Probleme, aber wir haben auch Lösungen.“
Eine dieser Lösungen heißt Paludikultur. Das ist der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf nassen Mooren, zum Beispiel Schilf oder Rohrglanzgras. Sie könnten, so die Hoffnung, Landwirten eine alternative Einnahmequelle eröffnen. Auf Demonstrationsflächen im Donaumoos untersucht die Hochschule gerade, welche Pflanzen sich besonders gut eignen, welche Auswirkungen eine Umstellung auf Paludikultur aufs Klima hätte.
Denn, darin sind sich alle einig: Wenn Landwirte keine Kartoffeln mehr anbauen sollen, muss man ihnen eine Alternative bieten. Paludikultur lässt sich für alles Mögliche verwenden, etwa zur Herstellung von Papier oder Möbeln. Drösler nennt auch die „Wackenmatten“, ausrollbare Matten, die im vergangenen Jahr beim Heavy-Metal-Festival in Wacken erstmals verhinderten, dass die Besucher im Matsch versanken. „Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Produkten, die erprobt und marktgängig sind.“ Während Landwirte anfangs noch befürchtet hätten, keine Abnehmer für ihre Paludikulturernte zu haben, sei es mittlerweile eher so, dass Firmen nachfragten, ob die Landwirte ihnen auch wirklich die für die Produktion nötige Mindestmenge liefern könnten.
Aber kann Paludikultur tatsächlich den Ertrag kompensieren, den Bauern bisher mit Kartoffeln erwirtschafteten? Auch hier ist Drösler zuversichtlich. Die Summen, die man angeblich mit Kartoffelanbau erreichen könne, seien oft übertrieben, denn die Kartoffelernte habe sehr hohe Schwankungen. Paludikulturen dagegen seien unkompliziert und lieferten stabile Erträge. „Der Aufwand bei der Paludikultur ist die Etablierung der Flächen, das Wiedervernässen. Aber das war’s dann. Das heißt: Man geht einmal im Herbst raus und erntet das ganze Zeug.“
Ohne Förderung geht das natürlich trotzdem nicht. So habe das bayerische Landwirtschaftsministerium das Moorbauernprogramm aufgelegt, wonach Landwirte bei vollständiger Umstellung auf Paludikultur 2.200 Euro pro Hektar und Jahr bekommen – zwölf Jahre lang.
Und es ist ja nicht so, dass allein Matthias Drösler allen Widrigkeiten zum Trotz dem Optimismus frönt. Fragt man Ulrich Sorg, fragt man Gerhard Dittenhauser, fragt man Michael Hafner, am Ende antworten sie in überraschender Einigkeit: Ja, ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen.
Es ist die Einsicht, auf die sie bauen. Die Einsicht der Bauern, aber auch der anderen Akteure. Sie werde kommen, schon wegen der äußeren Umstände. Etwa weil sich Extremwetterereignisse häufen, die die Kartoffelernte zunichtemachen, während sie der Nachbar mit der Paludikultur unbeschadet übersteht. Oder weil möglicherweise die EU den Ackerbau auf Moorböden aus der bisherigen Förderung nimmt. Oder weil CO2-Zertifikate die Bewirtschaftung nassen Bodens lukrativ machen könnten. Oder schlicht, weil Bauern, wie Gerhard Dittenhauser sagt, über Generationen denken. Und noch in dieser Generation, so die Einschätzung der Landesanstalt für Landwirtschaft, wird ein Drittel der bayerischen Moorflächen wegen des Torfschwunds ohnehin nicht mehr nutzbar sein – sofern sich nichts ändert.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen