Alkoholkonsum in Großbritannien: Jedes zehnte elfjährige Kind trinkt
Die Gesundheitsbehörden im Königreich schlagen Alarm: Fast 300 Kinder unter 12 Jähren landeten binnen eines Jahres wegen Alkoholmissbrauchs in der Notaufnahme.
LONDON afp | In Großbritannien sind binnen Jahresfrist fast 300 Kinder unter zwölf Jahren wegen Alkoholmissbrauchs in die Notaufnahme von Krankenhäusern gebracht worden. Insgesamt wurden 6580 Minderjährige in die Rettungsstationen gebracht, weil sie völlig betrunken waren, berichtete die BBC am Montag unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden. „Jedes zehnte elfjährige Kind hat im Verlauf der vergangenen Woche Alkohol getrunken“, sagte der Präsident des Verbandes Alcohol Health Alliance, Ian Gilmore.
In der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen sind die Mädchen den Statistiken zufolge stärker betroffen als die Jungen. Von den minderjährigen Alkoholkonsumenten trinkt demnach jeder vierte im Durchschnitt 3,5 Liter Bier pro Woche.
Zwar gebe es „ermutigende Zeichen“, wonach die Zahl der Unter-18-Jährigen, die Alkohol trinken, abnehme, sagte Gilmore. „Aber diejenigen, die es tun, fangen früher an und trinken umso mehr.“
„Die Industrie hat ganze Arbeit geleistet, damit das Trinken in unserer Gesellschaft völlig normal erscheint“, sagte die Ärztin Evelyn Gillan von der Organisation Alcohol Focus Scotland. „Zehn- oder elfjährige Kinder erkennen Biermarken besser als die von Eis oder Keksen.“ Anti-Alkohol-Verbände rufen die Eltern immer wieder dazu auf, mit ihren Kindern schon früh über die Gefahren des Alkoholkonsums zu sprechen.
Alkohol ist nur ein Aspekt beim Drogenkonsum der britischen Jugendlichen: 1897 Minderjährige, darunter 145 Kinder im Alter von elf Jahren oder jünger, wurden wegen Problemen mit anderen Drogen im vergangenen Jahr in die Krankenhäuser gebracht.
Vor allem der Alkoholmissbrauch ist nach Angaben eines Sprechers des britischen Gesundheitsministeriums ein gesamtgesellschaftliches Problem. Im vergangenen Jahr mussten demnach mehr als eine Million Briten wegen Alkoholproblemen ins Krankenhaus. „Die Leute trinken zu viel“, sagte der Sprecher der BBC. Mit jährlichen Kosten von 4,2 Milliarden sei Alkohol nicht zuletzt auch „für die Gesundheitsbehörden eine schwere Bürde“.
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