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Alkohol für die Staatskasse

■ An der Prohibition im indischen Bundesstaat Haryana verdiente nur die Mafia. Nun hofft die Regierung auf hohe Einnahmen

Neu Dehli/Berlin (dpa/taz) — Alkohol ist im nordindischen Bundesstaat Haryana seit gestern wieder legal. Der Versuch, den Alkoholismus mit Hilfe der Prohibition zu bekämpfen, hat sich nach Ansicht von Regierung und Bürgern als Fehlschlag erwiesen. Das einzige, was wirklich „trockengelegt“ wurde, sei die Staatskasse gewesen, meinte ein Beamter. Nun hofft die Regierung, daß mit Bier und Schnaps auch wieder Steuern und Gebühren in Höhe von umgerechnet 400 Millionen Mark fließen. Durch das Verbot wurde der Spirituosenmarkt nur in die Illegalität gedrängt. Die Alkoholmafia schmuggelte den Stoff aus anderen Bundesstaaten ein und machte damit hohe Gewinne.

Die jetzige Regierungskoalition in Haryana war mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die Prohibition einzuführen. Frauenverbände hatten dafür gekämpft, weil alkoholabhängige Männer einen großen Teil des ohnehin kargen Familieneinkommens für Bier und Schnaps ausgaben. Am 1. Juli 1996 machten die Haryana Vikas Party und die nationalistische Hindu-Partei BJP ihr Versprechen wahr und verboten den Alkohol im Bundestaat. Bei den jüngsten Wahlen zu einem neuen Parlament in Neu Dehli erlitten beide Parteien jedoch eine Schlappe. Die Niederlage wurde auf die Prohibitionspolitik zurückgeführt. Am 17. März zog die Regierung die Konsequenz und kündigte die Aufhebung des Alkoholverbots an.

Inzwischen wurden bereits rund 1.100 Lizenzen für den Alkoholverkauf ausgegeben. Bier, Wein und Schnaps werden in Indien in gesonderten Verkaufsstellen angeboten, wobei die Flaschen meist dezent in eine neutrale Tüte gesteckt werden. Verbannt bleibt Alkohol auch künftig in heiligen Städten sowie im Umkreis von 150 Metern von Hauptverkehrsadern, Schulen, religiösen Stätten und zentralen Busbahnhöfen. Die Prohibition gilt in Indien jetzt faktisch nur noch im Bundesstaat Gujarat, der Heimat Mahatma Gandhis, der Alkohol ablehnte.

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