Aktion der Peng-Kommunikationsguerilla

An. Die. Waffen.

Mit einer gefühlvollen Initiative appelliert die CDU-Basis an Kanzlerin Merkel, deutsche Kleinwaffenexporte zu stoppen. Oder?

Ein Mann mit einem Gewehr

Was man so „Kleinwaffe“ nennt: Gewehr von Heckler & Koch Foto: dpa

BERLIN taz | Dass ausgerechnet die Journalisten des Papstes als erstes die Sache aufgriffen, ist ja eigentlich besonders tragisch: „CDU-Basis gegen Waffenexporte“ vermeldete am Dienstagmittag Radio Vatikan, das deutschsprachige Sprachrohr des Heiligen Stuhls auf seiner Webseite, mittlerweile wurde der Artikel gelöscht. Der Inhalt: Dass „von der CDU-Basis ein Vorstoß zur Reduzierung von Kleinwaffenexporten“ kommen würde.

Bitte was? Es muss wohl diese Botschaft sein, die Radio Vatikan auf die Idee brachte: „Deutschland verzichtet auf Kleinwaffenexporte“ lautet der Slogan auf einer Website, die den Namen „CDU.Mit.Gefühl.“ trägt und seit Dienstag im Internet abrufbar ist. Nicht nur der Name lässt an die CDU erinnern, sondern auch das Layout.

Dunkle Kulleraugen blicken die Websitebesucher hoffnungsvoll an. Die Augen gehören einem Kind mit schwarzen Locken. Ein Link führt dann weiter zu einer Petition, die sich gegen den Export von deutschen Kleinwaffen ausspricht. Bis Dienstagabend haben rund 500 Menschen diese Petition unterschrieben.

Verantwortlich für diese Inhalte ist laut Impressum angeblich das 64-Jährige CDU-Mitglied Brigitte Ebersbach aus Schwenke, einem Stadtteil der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Halver, rund 60 Kilometer östlich von Düsseldorf. Ebersbach ist in einem zweieinhalbminütigen Video auf der Website zu sehen. Darin steht sie vor einer romanischen Kirche und meint, dass Exporte deutscher Kleinwaffen nicht mit den christlichen Werten der CDU vereinbar seien.

Die Massenvernichtungswaffen unserer Zeit

Man kann Brigitte Ebersbach auch anrufen. Dann geht eine freundliche Frau ans Telefon, die sagt, dass es ihr „ganz wichtig war, dieses Zeichen vor der Bundestagswahl im September zu veröffentlichen“. Nur eines stimmt an dieser Nachricht nicht: Brigitte Ebersbach ist eine Schauspielerin vom Schauspielhaus Dortmund und die Website inklusive Petition eine Aktion des „Peng! Kollektivs“ – das bereits in der Vergangenheit mit dem Schauspiel Dortmund zusammenarbeitete: finanziert von Bundesgeldern.

Es handelt sich beim „Peng! Kollektiv“ um eine Gruppe aus KünstlernInnen, AktivistinInnen und HackerInnen, die in der Vergangenheit immer wieder mit Medienstunts und Kunstaktionen für Aufsehen sorgte – mit einem Aussteigerprogramm für Agenten oder einem Google-Hoax auf der re:publica. Im vergangenen Jahr bewarfen Mitglieder der Gruppe die AfD-Politikerin Beatrix von Storch auf einer Parteisitzung in Kassel mit einer Torte – das Video davon wurde im Netz inzwischen über 800.000 mal aufgerufen.

Laut „Peng! Kollektiv“ soll die vermeintliche CDU-Homepage nur ein kleiner Vorgeschmack und Auftakt einer größeren Kampagne zum Thema Kleinwaffenexporte während des anstehenden Bundestagswahlkampfes sein

Diesmal hatten die AktivistInnen wieder Erfolg: Mit ihrer aktuellen Aktion verschaffte sich das Kunstkollektiv am Dienstag auch international Beachtung: Erst verbreitete die Nachrichtenagentur AP die Meldung über die vermeintlich widerspenstige CDU-Basis in englischer Sprache, dann veröffentlichten sowohl der Trump-nahe Sender Fox News wie auch die Washington Post die Meldung im Internet.

Laut „Peng! Kollektiv“ soll die vermeintliche CDU-Homepage nur ein kleiner Vorgeschmack und Auftakt einer größeren Kampagne zum Thema Kleinwaffenexporte während des anstehenden Bundestagswahlkampfes sein. Für die Aktivisten sind Kleinwaffen „die eigentlichen Massenvernichtungswaffen unserer Zeit, weil sie für 80 Prozent aller Kriegstoten weltweit sorgen“, wie – Achtung! – Philipp Ebersbach – höhö! – vom „Peng! Kollektiv“ auf taz-Anfrage sagte. Er so: „Die CDU ist einfach kein christlicher Laden. Jesus würde doch wohl auch Waffenexporte verbieten – aber der ist ja nunmal schon tot.“

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben