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Agitprop für Autoverkäufer

■ Theatralische Mitarbeiterschulung bei Mercedes-Benz in Ostdeutschland

Magdeburg (taz) – Mercedes- Benz macht Theater. Zur Zeit tingelt eine Bühnen-Truppe im Auftrag der Nobelkarossenfirma durch den deutschen Osten. Die Zuschauer-Zielgruppe ist eng begrenzt. Eintrittskarten im freien Verkauf gibt's nicht, im Parkett und auf den Rängen sind nur die eigenen Mitarbeiter zugelassen.

Dem Mercedes-Management geht es weniger um die kulturelle Erbauung der Belegschaft als um die Verbesserung vom Kundenservice. „Wir erheben mit dieser Produktion keinerlei künstlerischen oder kulturellen Anspruch“, warnt Hans-Jürgen Gaca von der Mercedes-Vertriebsorganisation die geladenen Journalisten. Recht hat er. Das Bühnenstück fällt in die Abteilung Agitprop.

Held der Geschichte ist der gleich nach der Wende aus Herzensgründen in den Osten übergesiedelte Stuttgarter Werkstattmeister Gerhard Klempen. Er muß sich mit allerhand kleinen und großen Widrigkeiten herumschlagen: Da ist ein Chef, der gerade erst ein halbes Jahr im Osten ist und weder seine ostdeutschen Mitarbeiter noch Kunden so richtig versteht, und da ist ein Verkäufer, der stets nur scharf auf die Provisionen ist und deshalb immer lächelt, „bis das Zahnfleisch sich erkältet“. Auch die Gesellen, die Autos reparieren noch am Trabi gelernt haben, parieren nicht immer. Und natürlich gibt es nervende Kunden.

„Im Zeichen des Sterns“ heißt das Opus, das der Belegschaft einen besseren Kundenservice einimpfen soll. „Und das Ganze ist sogar billiger als ein theorielastiges Seminar zur Mitarbeiterschulung“, freut sich Gaca. Aber vielleicht nicht ganz so effektiv. Denn manch einer im Zuschauerraum entfaltet größere Aufmerksamkeit fürs weibliche Publikum als fürs Bühnengeschehen. „Arbeiten die Damen auch alle bei Mercedes?“ fragt einer aus der achten Reihe im Parkett. Eberhard Löblich

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