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berliner szenenAdorno und die Startupper

Ich hab meinen Coach in Houston, Texas. Mit der rede ich, wenn ich Rückendeckung oder einen Kick-Ass brauche“, sagt die Entrückte zu ihrer neuen Bekanntschaft, ein Glas Wein in der Hand haltend, auf dem Balkon eines „ungewöhnlichen Gebäudes“ im 6. Stock stehend. Dorthin haben zwei Start-ups eingeladen, zu einem Networking- und Diskussionsabend. Thema: Was ist eine Arbeit mit Sinn? Inoffizieller Dresscode: weiße Sneakers, Birkenstock oder gleich barfuß.

Ich habe leider nichts beizutragen. Dann beginnt die eigentliche Veranstaltung. Wir sind ungefähr 50 Leute und wollen gemeinsam darüber diskutieren, was eine Arbeit mit Sinn ist. Dazu bilden wir einen Kreis und fläzen uns auf Sitzsäcken, alkoholische Getränke in der Hand. Jeder darf etwas sagen. Doch zuerst wollen die Start-up-Gründer, die eingeladen haben, einen Impuls geben. Sie sind sehr bemüht. Die anschließende Diskussion steuert aber ziellos von Thema zu Thema. Zwischendurch wird darüber diskutiert, ob ein Bäcker eine sinnvolle Arbeit ausübt und ob sie sinnvoller ist als die eines Angestellten in einem Mauthäuschen. Ich schalte irgendwann ab.

Doch dann: Auftritt des Zynikers. Er wirft den bemühten Startuppern vor, doch nur Fake zu sein und eine große Werbeveranstaltung für sich abzuhalten. Spannend! Reibung! Entzaubert er jetzt die Start-up-Leute, indem er sie als neoliberale Wiedergänger entlarvt, die in ihrer Bemühung um sinnvolle Jobs am Ende nur einer kapitalistischen Selbstoptimierungslogik folgen? Dass ein richtiges Leben im falschen nicht möglich ist? Leider nicht. Bis dahin reichen seine Argumente nicht. Er entpuppt sich dann doch nur als unzufriedener IT-Consultant mit Aussteigerfantasien. Und die Start­upper erscheinen als echte Menschenfreunde, die gerne mit ihm reden wollen. Vielleicht hatte Adorno einfach unrecht. Niklas Münch

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