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herzensortAdleraugen am Abgrund

Nach den letzten Windungen des einst von Napoleons Heeren geebneten Saumpfades betrete ich das Plateau des Simplonpasses. Wacholdersträuche beduften die frische Luft auf 2000 Metern über dem Meer.

Die Nähe der Ferne ist, was diesen Ort im südlichen Teil der Schweizer Alpen immer schon prägte. Als Kind spielte ich in den milden Sommermonaten oft im umliegenden Hochmoor und fand dort alte Schmugglerhöhlen, im Geröll unscheinbare Schießscharten. Vor dem Bergpanorama stechen dünne Lärchen in die Höhe, dazwischen Schilder, die vor Panzern warnen. Alpenrosen säumen die betonierten Bunker und Trassen der Artillerie.

Auf der Krete thront ein gravitätisches Granitgebilde von neun Metern Höhe. Erst mit den Jahren dämmerte mir, dass dieser Steinhaufen – zu einem wachsam gen Süden spähenden Adler aufgetürmt – jene Grenze bewachen soll, hinter der zur Zeit seiner Errichtung das faschistische Italien begann. „Gebirgsbrigade II 1939–1945“ steht in das Fundament gekerbt und erinnert an die angstvoll am Abhang harrenden Soldaten. Jede Grenze erzwingt die Gewalt ihrer Aufrechterhaltung. Nathan Pulver

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