: Absagen an den Dialog
■ Südeuropas Innenminister solidarisieren sich mit Algeriens Regime
Tunis/Algier (AFP/dpa/taz) – Die Innenminister von Algerien, Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Tunesien haben sich am Wochenende in der tunesischen Hauptstadt auf einer Konferenz miteinander solidarisiert und vereinbart, künftig bei der Bekämpfung „fundamentalistischer Gewalttaten“ enger zusammenzuarbeiten. Es sei über die „inneren Bedrohungen gegen ihre Staaten, die Stabilität und Frieden beeinträchtigen“, beraten worden, heißt es in der „Erklärung von Tunis“. „Die verschiedenen Formen von Kriminalität, Drogen- und Waffenhandel sowie die illegale Einwanderung haben durch ihre zunehmende Verbindung mit Terrorismus und Fundamentalismus eine ernste Zunahme erfahren“, fährt die Abschlußerklärung fort.
Der tunesische Innenminister Abdallah Kallel hatte bei der Eröffnung der Sitzung betont, die gesamte Mittelmeerregion sei durch „Fanatismus und Extremismus“ bedroht. Der französische Innenminister Charles Pasqua will am Donnerstag seine EU-Partner in Paris beim informellen Rat der Innen- und Justizminister über das Ergebnis des Treffens unterrichten. Marokko nahm entgegen erster Meldungen nicht an dem Treffen teil. Die Abschlußerklärung bedeutet eine Unterstützung für die Weigerung der algerischen Führung, dem von den algerischen Parteien vor zehn Tagen in Rom formulierten Dialogangebot nachzukommen.
Auch militante islamistische Gruppen in Algerien lehnten die unter anderem auch von einem Vertreter der „Islamischen Heilsfront“ (FIS) unterzeichnete Dialogplattform ab. Der AIS, bewaffneter Arm der FIS, wies in ihrer Untergrundzeitschrift die in der Plattform enthaltene Verurteilung von Gewalt zurück. Auch die „Bewaffnete Islamische Gruppe“ (GIA), die an den Beratungen in Rom nicht teilgenommen hatte, distanzierte nach Zeitungsberichten von der Plattform und drohte mit neuen Anschlägen auf französische Verkehrsmittel. Wie zur Bestätigung wurde gestern nachmittag in Algier ein 52jähriger Franzose jüdischer Herkunft in seinem Auto erschossen.
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