: Ablaß-Handel
■ betr.: Versenkung der Brent Spar
Deutschland vorn dank Greenpeace. Kanzler Kohl setzt sich in Kanada für die Nordsee-Umwelt ein, die CSU steht an der Spitze der ökologischen Shell-Boykott-Bewegung, und die deutschen Autofahrer sind nicht die Buhmänner der Nation, sondern können beim Tanken so richtig umweltbewußt handeln. Danke, Greenpeace!
Unser Umweltgewissen ist gerettet. Wir kümmern uns kollektiv um die reine See. Niemand vermiest uns mehr die Stimmung durch Kritik am Autofahren. [siehe dazu Kommentar von Nicola Liebert: „Umweltengagement ohne Unkosten“, taz vom 14. 6. 95 d. Red.] Das Schicksal der paar Bohrinseln und Ölplattformen in den restlichen Weltmeeren braucht uns nicht kratzen. Nitratfrachten und Chemieabwässer in der Nordsee – was ist denn das? Esso und DEA sind gut, wir erinnern uns nicht mehr an Ölkatastrophen in Kanada und Bohren im Nationalpark Wattenmeer. Und Ozon, das will doch keiner im Meer versenken, oder?
Greenpeace rettet unser ökologisches Gewissen durch einen schwunghaften Ablaß-Handel. Wir fahren Auto und spenden an die Hamburger Action-Gruppe. Greenpeace dankt und verspricht uns das Fünfeinhalb-Liter-Auto.
Ganz sicher spenden die Bonner PolitikerInnen auch. Greenpeace liefert eine Ökokampagne, bei der niemand Konsequenzen fürchten muß. Bei den Regierenden hätten alle diesen dilettantischen Versuch durchschaut. Die Schlauchbootfahrer retten Bonn nach der Bauchlandung mit dem Tempolimit endlich vor dem Sommersmog.
Verleiht Greenpeace das Bundesverdienstkreuz, aber spendet euer Geld lieber echten Umweltfreundinnen! Boykottiert die Amigos von Greenpeace! Julia Wittkamp,
Christoph Schaaff, Magdeburg
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