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80.000 Bergleute pfeifen in Bochum

■ Sorge um Zechen-Arbeitsplätze

Bochum (taz) – Mit einem ohrenbetäubendem Pfeifkonzert wurde Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt gestern auf der Kundgebung der Bergleute in Bochum empfangen. Gegen diesen Proteststurm half nicht einmal die gewaltige Lautsprecheranlage. Vereinzelt flogen Bierdosen auf die Bühne.

Die aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten rund 80.000 Bergarbeiter schrien sich ihren Frust aus der Seele. „Lügner“- und „Aufhören“-Sprechchöre wollten nicht enden. Die Bitte des WDR- Moderators Claus Werner Koch, „zeigen sie, daß die IGBE nicht nur eine starke, sondern auch eine faire Gewerkschaft ist“, vermochte an dem Pfeifkonzert nichts zu ändern: Die durch die jüngste Stahlkrise verursachten neuen Kapazitätsschnitte haben das Faß zum Überlaufen gebracht. In den von Stillegung bedrohten Revieren, wie im westfälischen Bergkamen, werden inzwischen selbst die eigenen Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre ausgebuht. Offenbar stößt die Politik der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE), die sozial abgefederte Reduzierung des Steinkohlebergbaus mitzutragen, bei den Mitgliedern an ihre Grenzen.

„Die Stimmung ist mies, wir haben die Schnauze gestrichen voll“, schimpft Peter Rothmann von der Bergkamener Zeche „Monopol“. Der 29jährige steht mit einer Fackel vor dem Bochumer Bergbaumuseum. Der Kundgebungsort wurde mit Bedacht gewählt, „denn wir wollen verhindern, daß der ganze deutsche Steinkohlebergbau zum Museum wird“, so Moderator Koch. Der IGBE geht es darum, noch in diesem Jahr die Zusagen der Bonner Kohlerunde aus dem Herbst 1991 vertraglich zu sichern. Vor 17 Monaten hatten sich Bund und Länder mit den Bergbauunternehmen und der IGBE darauf geeinigt, die Förderung von weit über 60 Millionen Jahrestonnen bis zum Jahr 2005 auf 50 Millionen Jahrestonnen runterzufahren. Doch die Finanzierung steht in den Sternen. Ohne Subvention läßt sich keine Tonne der deutschen Steinkohle verkaufen. Bisher haben die Stromverbraucher über den sogenannten Kohlepfennig – ein prozentualer Aufschlag auf die Stromrechnung – pro Jahr mehrere Milliarden aufgebracht. Doch diese Regelung läuft 1995 aus.

Rexrodt versprach gestern, noch in diesem Sommer „ein erstes Konzept“ vorzulegen. Gelingt ihm das nicht, drohen scharfe Konflikte im Bergbau. Ohne eine Entscheidung über die Sicherung der Steinkohle wird die IGBE nach den Worten ihres Vorsitzenden Berger keiner weiteren Förderreduzierung mehr zustimmen. Dann, so Berger, „ist es mit der Ruhe endgültig vorbei“. Walter Jakobs

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