80 Jahre Haus des Rundfunks: Bekannt aus Funk und Fernsehen

Seit 80 Jahren wird aus dem Haus des Rundfunks in die Welt gesendet. Der RBB zeigt eine Dokumentation über die wechselvolle Geschichte des Gebäudes und seiner Nutzer

Zur Grundsteinlegung begrüßte Albert Einstein ganz ernst gemeint die "verehrten An- und Abwesenden" und hoffte auf nichts Geringeres als Völkerverständigung. Denn das Radio, dieses vor gut 80 Jahren recht neue Medium, erreichte breiteste Volksschichten - doch schon bald nicht mehr zum Guten.

Kaum war das Haus des Rundfunks 1931 nach Plänen des Architekten Hans Poelzig als damals modernster Medienbau der Welt eröffnet, war mit unabhängigem Journalismus schon wieder Schluss. Der Paternoster fährt zwar vom ersten Tag an seine Runden, und "das neue Funkhaus steht für Aufbruch", wie es in der RBB-Doku, die heute Abend gesendet wird, heißt - doch "die Republik ist im Niedergang". Schon 1933 wird das neue, föderale Medium gleichgeschaltet und zentralisiert. Joseph Goebbels hat auch ein Büro im "Haus des Rundfunks".

Bei vielen dieser atmosphärischen Szenen bleibt einem allerdings das Grinsen im Halse stecken: "Hier ist der fröhliche Kindergarten des Deutschlandsenders; Kinder, schön aufgepasst, Tante Elfie spielt jetzt mit euch", sagt der Moderator. "Heil Hitler", sagt Tante Elfie, "na, Kinder, wir wollen uns heute eine richtige Autobahn bauen?" Und dann bauen sie.

Im Krieg wurden Propaganda und Unterhaltung gesendet, im Mai 1945 war Schluss, "es wurde kräftig geliebt im Innenhof", sagt ein ehemalige Volontär, dann wurde offiziell abgeschaltet.

Nach 1945 gehörte das Haus des Rundfunks - obwohl im Westsektor Berlins gelegen - zum sowjetischen Einflussbereich: Der (Ost-)Berliner Rundfunk sendete bis 1952 aus der Enklave an der Masurenallee, zunächst nur innen von russischen, später zusätzlich auch außen von britischen Soldaten bewacht, die jeden raus-, aber niemanden mehr in das "Haus des Rundfunks" hereinließen. Nur der Paternoster drehte stoisch seine Runden.

Der "Westen" baute seine Sender - zunächst Rias und NWDR - anderswo auf. Mitte 1954 wurde aus dem Berliner NWDR der Sender Freies Berlin (SFB), der Ostberliner Rundfunk sendete längst aus der Nalepastraße in Adlershof. Im Poelzig-Bau saß bis zum Sommer 1956 noch eine sowjetische Wachmannschaft, erst dann zog der SFB ins ausgeweidete Haus.

Immerhin: Der Paternoster war noch da und beförderte kalte Krieger sowie Stereopioniere, die ihrem Mops einen Dienstausweis verpassten, damit der mit ins Studio durfte. Es kamen die Achtundsechziger und die ErfinderInnen des SF-Beat-Programms, die später mit Fritz und Radio Eins weitermachten.

Und 1989 der Mauerfall: Ausnahmetage auch im "Haus des Rundfunks", das nun allerdings ein bisschen im Schatten des mächtigen Fernsehzentrums nebenan steht. Und aus dem, aber das ist nicht ganz so weltbewegend, noch heute Info-Radio, Kulturradio und das Stadtradio Berlin 88,8 senden; seit 2002 natürlich unter dem Dach des RBB.

Viel entscheidender ist, wie es nach 80 Jahren dem wichtigsten Mitarbeiter im Hause geht: Beim Paternoster läuft immer noch alles rund.

"Geheimnisvolle Orte - Haus des Rundfunks" läuft heute Abend um 20.15 Uhr im RBB. Das Buch "Tonspuren. Das Haus des Rundfunks" ist im Chr. Links Verlag erschienen (29,90 Euro). Im Haus selbst gefeiert wird mit diversen Führungen am 13. Februar.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de