70 Jahre Adidas: Sei der Dirigent
Adidas wird 70. Eine Annäherung an den Herzogenauracher Sportartikelhersteller über zwei seiner Schuhe.
Foto: Hersteller
Adidas wird 70, da müsste man jetzt über die Adilette schreiben, das wohl erstaunlichste Schuhwerk des Herzogenauracher Sportartikelherstellers und geeignet, die Story des Weltkonzerns quasi in latsche zu erzählen.
Ganz aus Gummi gefertigt, rutschfest, gedacht für die geflieste Gemeinschaftsdusche in Turnhallenumkleiden, Sportschulen („Geist von Malente“), Barfußgängen von Schwimmhallen. Und heute, nach einem fundamentalen Bedeutungswandel (schon seit Jahren, seitdem nämlich ugly chic ist) als Streetwear präsent vor allem in urbanen Gegenden, getragen von Leuten, die die Ironie hinter sich gelassen haben und Adiletten mit Socken womöglich wirklich kleidsam finden.
Früher war das Mittelmeer Zentrum der Identität Europas, heute wenden sich die Menschen von ihm ab. Ein Essay über ein Meer, das Hilfe braucht – in der taz am wochenende vom 17./18. August. Außerdem: Die Polizei möchte Bienen zur Drogenfahndung einsetzen. Science Fiction oder bald Realität? Und: In Belgien bekommen Obdachlose schnell eine Wohnung, in Deutschland nicht. Eine Reportage. Ab Samstag am Kiosk, im eKiosk, im praktischen Wochenendabo und bei Facebook und Twitter.
Widmen wir uns hier aber einem Schuh, den keiner mehr so richtig kennt, obwohl er bei seiner Einführung 1986 als immens wichtig galt für die Expansionsstrategie von Adidas in die Basketballwelt, damals dominiert von Converse und Nike: der Conductor, dessen Markenbotschafter der legendäre Center Patrick Ewing von den New York Knicks war. Ewing, der mit seinem Team nie einen Titel gewann und doch als einer der besten Spieler aller Zeiten unter dem Korb gilt, einer vom Dream-Team, 2,13 Meter groß.
Conductor, Dirigent. Adidas schreibt, der Schuh heiße so, weil der Spieler, der ihn trägt, das Spiel führt und gestaltet. Das Pech des Conductor war der Air Jordan, gewidmet dem noch viel größeren Michael Jordan. Schon 1984 hatte Nike den Schuh auf den Markt gebracht. Ich war damals ein Teenager und spielte Basketball, der Air Jordan wurde wie etwas Heiliges herumgezeigt. Den wollte man haben. Musste man.
Ich nicht. Ich wollte den Conductor, weiß mit königsblauen Streifen, orange abgesetzt, hatte aber gerade neue Converse. Nur einmal trug ich ihn, lieh ihn für die Schlussphase eines entscheidenden Spiels von M., der sich verletzt hatte. Schnürte ihn. Was für ein Gefühl! Aber wie Pat Ewing verloren wir. Der Conductor passte perfekt, er sah gut aus. Weiß. Ehrlich. Anders als der Air Jordan. Er hat nur nichts bewirkt.
Kürzlich habe ich wieder angefangen, Basketball zu spielen. Von den alten Schuhen fiel die Sohle ab, in einem Hamburger Sneakerstore bestellte ich den neu aufgelegten Conductor. Heute sieht er aus, als wäre er für Rapper in den 90ern erfunden worden. Egal. Mein Schuh, mein Conductor.
Als ich ihn ausgepackt hatte und hineinschlüpfte, merkte ich, dass er zu klein war. Am großen Zeh drückte er. Und war die Lasche früher auch so riesig? Ich schickte ihn zurück, und träumte von damals. Wie es auf dem Platz weitergeht, weiß ich noch nicht.
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