5 Jahre nach dem Massaker: Total nimmt die LNG-Förderung in Mosambik wieder auf
Der Energiekonzern will das Gasprojekt auf dem Gelände weiterführen, auf dem 2021 Menschen in Containern verhungerten. Wieder spielt eine Armee mit.
Patrick Pouyanné, der Chef des französischen Energiekonzerns Total, und Mosambiks Präsident Daniel Chapo haben es persönlich in die Hand genommen. Vergangene Woche flogen sie gemeinsam in den Norden Mosambiks. Dort will Total den Bau einer Flüssiggasanlage weiter vorantreiben.
Knapp fünf Jahre stand das 20-Milliarden-Dollar Projekt nun still, eine der teuersten Investitionen Afrikas. Ursache war ein Angriff auf die LNG-Anlage im April 2021. Die Miliz „Islamischer Staat Mosambik“ (ISM), die dem „Islamischen Staat“ nahesteht, attackierte damals in der nordöstlichen Provinz Cabo Delgado die Bevölkerung. Im Frühjahr hatte sie Teile der Halbinsel nahe dem Ort Palma, an deren Ufern die LNG-Anlage errichtet wird, unter ihrer Kontrolle.
Total zog seine Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen ab, überließ die Anlage den Soldaten der Armee Mosambiks – sie sollten sie bewachen und wurden dafür von Total bezahlt.
Was dann auf dem Gelände passierte, deckten Journalisten erst 2024 auf. Reporter recherchierten vor Ort, dass Hunderte Bewohner eines Dorfes nach einem ISM-Angriff im April 2021 in Richtung der Gasförderanlage geflohen waren. Dort trennten die Soldaten die Dorfbewohner. Frauen und Kinder brachten sie separat unter. Die rund 200 Männer betrachteten sie als Kollaborateure der Miliz und sperrten sie in Container ein. Nach drei Monaten Misshandlungen, mit nur wenig Sauerstoff und Nahrung in den Containern, überlebten nur 26 der Männer.
Ermittlungen in Frankreich
In Mosambik sowie in Frankreich wurden Ermittlungen eingeleitet. Im November 2025 hat das Europäische Zentrum für Menschenrechte (ECCHR) eine Klage an die französische Staatsanwaltschaft übergeben.
Jetzt scheint die Sicherheit in Cabo Delgado wiederhergestellt. „Die Regierung bestätigte insbesondere alle zur Gewährleistung der Sicherheit getroffenen Maßnahmen und die fortgesetzte Zusammenarbeit mit Ruanda“, so Total in einer Erklärung.
Ruandas gut ausgebildete Armee hatte im Juli 2021 rund 4.000 Soldaten und Polizisten entsandt, um gemeinsam mit Mosambiks maroder Armee gegen die ISM-Miliz vorzugehen. Seit 2022 sichern diese auch die Überlandstraße von der Hafenstadt Mocímboa da Praia nach Palma, die für die Lieferung von Baumaterialien und Turbinen für die LNG-Anlage wichtig ist.
Bis zum Baustopp waren rund 40 Prozent der Anlage fertiggestellt. „In den kommenden Monaten wird es zu einer massiven Steigerung der Aktivitäten kommen […]. Ein erstes Offshore-Schiff wurde bereits mobilisiert, um mit der Installation der Offshore-Infrastruktur zu beginnen“, sagte Total-Chef Pouyanné bei einer Zeremonie in Afungi, das nahe dem Projektstandort liegt. „Wir haben jetzt ein klares Ziel vor Augen: die LNG-Lieferung bis 2029 mit einem Budget von 20 Milliarden US-Dollar.“
Der 5-jährige Stillstand hat die ohnehin enormen Kosten noch höher getrieben – auf rund 4,5 Milliarden US-Dollar. Mosambiks Präsident Chapo erklärte, dass beide Seiten nach Abschluss der Kostenprüfung verhandeln würden. „Klar ist, dass die Verhandlungen den Projektfortschritt nicht behindern. Ein Neustart ist unausweichlich“, so Chapo.
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