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40.000 Kilometer für die Katz‘

■ Gespräch mit Waldemar Cierpinski, Olympiasieger im Marathonlauf 1976 und 1980, heute (noch) Trainer beim SC Chemie Halle

taz: Warum haben Sie nach dem zweiten Olympiatriumph 1980 in Moskau eigentlich nicht aufgehört?

Waldemar Cierpinski: Schon auf den letzten Metern im Stadion entschloß ich mich zum Weitermachen. Ich bekam dann Wäschekörbe voll Post von der DDR-Bevölkerung. Das war eine große Triebkraft für mich. Und ich fühlte noch Reserven. Ich hatte einen Plan, nach dem ich in Los Angeles mit Weltrekord das dritte Olympiagold holen wollte. Bis zum Mai 1984 lag ich genau im Fahrplan, war sehr zuversichtlich.

Als die DTSB-Führung im Trainingscamp Kienbaum allen Mannschaftskapitänen des DDR-Sports den Boykott mitteilte, beendeten sie als einziger sofort ihre Laufbahn und starteten auch nicht bei den Ersatzwettkämpfen. Warum nicht?

Ehrlich gesagt habe ich die Gründe für den Boykott teilweise sogar akzeptiert. Aber ich hatte seit 1980 über 40.000 Kilometer trainiert, immer mit dem großen Ziel Olympia vor Augen. Und das war nun weg, da fehlte mir jede Motivation. Da habe ich dann sofort Schluß gemacht, was mir heftige Kritik von Manfred Ewald einbrachte.

Als am Saisonende die Orden verteilt wurden, waren Sie aber trotzdem dabei. Sie haben Geld und die Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold erhalten. War Ihnen der DTSB nicht mehr böse?

Damit sollte wohl auch mein Verdienst um die Laufbewegung der DDR belohnt werden. Jedensfalls wurde der Orden damit begründet. Aber eine Abfindung für die verpaßte Olympiachance war das natürlich nicht.

Was schmerzt heute eigentlich noch am meisten an diesem Olympiaboykott?

Daß ich meiner Frau nichts zurückgeben konnte für die langjährigen Opfer, die sie für den Sport erbrachte. Ich hatte meine ersten beiden Medaillen meinen Söhnen gewidmet. Ich hätte ihr auch für den dritten Sohn gerne noch eine mitgebracht.

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