: 400 Ost-Lehrer ab ins Feindesland
■ Landeschulamt will 400 Ostberliner Pädagogen in den „Westteil versetzen / Gewerkschaft spricht von falschen Zahlen
Das im Februar neu eingerichtete Landesschulamt steht vor seiner ersten Kraftprobe. Rund 400 Ostberliner Lehrer sollen im kommenden Schuljahr in den Westteil der Stadt geschickt werden, weitere 100 Ost-Pädagogen ihren Kollegen an den Hellersdorfer Schulen aushelfen. Die neue zentrale Behörde, gegen die in der vergangenen Woche 18 Bezirke mit einer Klage vor dem Berliner Verfassungsgericht gescheitert waren, begründet die geplanten Versetzungen mit dem gestiegenen Bedarf der West-Schulen. Während dort die Zahl der Schüler nach den Prognosen stark ansteige, zeige in Ostberlin mit Ausnahme von Hellersdorf die demographische Kurve „dramatisch nach unten“, so gestern der Leiter des Landesschulamtes (LSA), Wilfried Seiring, gegenüber der taz.
Dagegen befürchtet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die sich von Anbeginn vehement gegen das LSA gewehrt hatte, im kommenden Schuljahr in Ostberlin erhebliche Unterrichtsausfälle. GEW-Vorsitzender Erhard Laube warf gestern der Behörde vor, mit falschen Zahlen zu operieren. Bis jetzt seien die neuesten Schülerzahlen vom Oktober nicht offengelegt worden. Diese müßten aber mit den Bedürfnissen der bezirklichen Schulaufsicht abgeglichen werden. Nach Aussage von Laube haben die meisten Bezirksschulräte gegen die Massenversetzung protestiert, da ihre Bedarfsrechnungen völlig anders aussähen. Nach Informationen der GEW, die vom LSA nicht bestätigt wurden, solle der Bezirk Mitte 49 Lehrer abgeben, obwohl die dortigen Schulen mit den vorhandenen Lehrkräften im nächsten Schuljahr gerade über die Runden kämen. In Treptow seien es 73 Pädagogen, obwohl nur 10 Lehrkräfte als sogenannte Überhänge eingestuft worden seien.
Um die Zahl derjenigen Lehrer festzustellen, die von den Schulen entbehrt werden könnten, hat das LSA seine Außenstellen in den 11 Ostberliner Bezirken angewiesen, bis zum 24. Mai eine Liste zu erstellen. „Wir müssen uns erst einmal eine Übersicht verschaffen“, so LSA-Leiter Seiring. Für jede einzelne Versetzung werde sein Amt in Absprache mit dem Hauptpersonalrat „soziale Kriterien“ festlegen. Einer alleinerziehenden Mutter aus Hellersdorf werde man nicht den langen Weg nach Zehlendorf zumuten, versicherte Seiring.
„Wie eine Axt im Walde“ kommentierte gestern die bildungspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Fraktion, Sybille Volkholz, die Art und Weise, wie das LSA in Ostberlin vorgehe. Damit werde das schwierige Klima zwischen Ost- und Westbeschäftigten unnötig angeheizt. Der Sprecher der Senatsschulverwaltung, Andreas Moegelin, verwies hingegen auf feste Absprachen mit der Gewerkschaft und dem Hauptpersonalrat über den Einsatz der insgesamt 800 im Überhang befindlichen Ostberliner Lehrer. Die GEW versuche offenbar, einen „Keil zwischen Landesschulamt und seine Außenstellen“ zu treiben. Severin Weiland
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