: 180 Kilometer für die Phantasie
■ Der Grenzring rund um West-Berlin soll in 50 Planabschnitte „zerhackt“ und dann sehr unterschiedlich gestaltet werden - wie genau, weiß noch niemand / Erster Bericht des Regionalausschusses liegt vor / Bereich um Potsdamer Platz bekommt oberste Priorität bei Planungen
Was aus dem rund 180 Kilometer langen Grenzstreifen rund um West-Berlin wird, beschäftigt seit der Öffnung der Mauer die Gemüter im Osten wie im Westen. Diverse Modelle waren bereits im Gespräch, so etwa ein Grüngürtel, eine Autobahn oder die Errichtung einer Freihandelszone. Der gemeinsame Ost-Westberliner Regionalausschuß, in den beide Stadtverwaltungen Experten schicken und der seit Dezember regelmäßig tagt, hat sich in den vergangenen Wochen ebenfalls mit der Gestaltung des Grenzstreifens beschäftigt. Die dafür zuständige Arbeitsgruppe „Stadtentwicklung und -erhaltung“ hat nun dazu einen ersten Bericht an den Regionalausschuß vorgelegt. Er enthält noch keine konkreten Planungen, sondern entwirft einen ersten Ablauf eines umfassenden Konzepts zur Gestaltung des Grenzstreifens.
Man gehe davon aus, so Umweltsenatorin Schreyer gestern vor Journalisten, daß es nicht sinnvoll sei, eine „Monogestaltung“ auf dem Grenzstreifen vorzunehmen. „Zusammenwachsen heißt, daß man nicht wie auch immer geartete Besonderheiten erhalten will.“ In dem Bericht wird vorgeschlagen, kurzfristig „plangebietsorientierte Arbeitsgruppen“ zu bilden, in denen zunächst die planenden Verwaltungen der beteiligten Gebiete vertreten sein sollen. Bis Mitte 1990 sollen diese Arbeitsgruppen dann ein Programm für den grenznahen Raum erarbeiten, einzelne Plangebiete abgrenzen und thematische Schwerpunkte festlegen. Die eigentliche Planung soll Mitte dieses Jahres beginnen, für Gebiete mit erster Priorität sollen bis Mitte 1991 erste Pläne vorliegen.
Die Arbeitsgruppe des Regionalausschusses hat auch in dem Bericht einen Vorschlag zur Unterteilung der Planungsabschnitte unterbreitet: Der 180 km lange Streifen, der teilweise durch Gewässer führt und der auf knapp 50 km Länge die beiden Stadthälften teilt, soll in rund 50 Plangebiete mit unterschiedlicher Priorität aufgeteilt werden. Bis Mitte 1990 sollen für diese Abschnitte je nach Dringlichkeit verschiedene Prioritäten festgelegt werden. Ganz oben steht nach der Vorstellung der Umweltverwaltung der zentrale Bereich um den Potsdamer Platz, der Bereich Bornholmer Straße wegen der möglichen S-Bahnanbindung sowie der Verkehrsknotenpunkt Altglienicke/Rudow/Schönefeld im Südosten.
Zumindest von östlicher Seite besteht nach Auskunft Schreyers auch der Wunsch, Teile der Mauer als Mahnmal zu erhalten. „Auch ich bin der Ansicht, daß Teile der Mauer als abschreckendes Denkmal erhalten bleiben sollten“, so Schreyer.
kd
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