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15 Jahre Räumung der Liebigstraße 14Keine reine Niederlage

Ak­ti­vis­t*in­nen erinnern an die Räumung des linken Hausprojekts in der Liebigstraße 14 vor 15 Jahren. Es sei nicht alles vergebens gewesen.

Einbruch und Krawall: Räumung der Liebigstraße 14 im Februar 2011 Foto: Michael Kappeler/dpa

Aus Berlin

Peter Nowak

Geht das – ein Open-Air-Konzert an einem bitterkalten Berliner Winterabend? Tatsächlich: Rund 25 Menschen, dick eingepackt in Handschuhe, Schals und Mützen, stehen am Montagabend vor dem Wohnhaus in der Liebigstraße 14 in Friedrichshain und lauschen fast zwei Stunden lang den Mu­si­ke­r*in­nen Paul Geigerzähler und Mary Ocher.

Dass die Stimmung unterkühlt anmutet, liegt aber nicht nur am eisigen Wetter. Es ist auch der Anlass des Konzerts: der Jahrestag der Räumung des Hausprojekts in der Liebigstraße 14 vor genau 15 Jahren. Nach langen Rechtsstreitigkeiten war das Wohnprojekt, das kurz nach der Wende aus einer Hausbesetzung entstanden war, von einem massiven Polizeiaufgebot geräumt worden. Rund um den Einsatz gab es Proteste und Straßenkrawalle.

Doch heute ist die Geschichte der Liebigstraße 14 nahezu vergessen. „An die Räumung habe ich keine Erinnerung. Da war ich drei Jahre alt“, sagt ein Nachbar am Montagabend zur taz: Sehr gut habe er hingegen noch die Räumung des queer-feministischen Hausprojekts in der Liebigstraße 34 im Oktober 2020 vor Augen.

„Dabei gab damals einen langen Kampf um das Haus und wütende Demonstrationen mit mehreren Tausend Menschen“, betont der Musiker und Aktivist Paul Geigerzähler gegenüber der taz. Die Geschichte vom Widerstand rekonstruieren die Protestierenden am Montagabend aus alten Flugblättern und Aufrufen, aus denen sie vorlesen.

Die großen Proteste haben andere linke Projekte wie das Kulturzentrum Schokoladen in Mitte vor der Räumung bewahrt

Paul Geigerzähler, Musiker und Aktivist

Sie erinnern an den Eigentümer Suitbert Beulker, dem mehrere Häuser im Friedrichshainer Nordkiez gehörten – unter anderem die Rigaer Straße 94, in der das Hausprojekt bis heute weiterbesteht. Sie erzählen die Anekdote vom Miteigentümer Edwin Thöne, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds in Unna. Ihn erreichten damals Tausende Postkarten, in denen er aufgefordert wurde, die Räumung der Bewohner*innen, darunter auch Kinder, zu verhindern: „Besetztes Haus in Berlin – Protest schwappt nach NRW“, titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

Dabei waren zu dem Zeitpunkt aus den Be­set­ze­r*in­nen längst Mie­te­r*in­nen geworden. Doch alle Versuche, die Räumung abzuwenden, scheiterten. Ein „runder Tisch“ brachte keine Lösung und auch ein Kauf durch eine Schweizer Stiftung klappte nicht. Dann landete der Fall vorm Landgericht, wo Richterin Regina Paschke im Einbau einer Stahltür, die die Be­woh­ne­r*in­nen vor Angriffen von Rechtsextremen schützen sollte, einen Räumungsgrund sah. Paschke sprach zahlreiche Räumungsurteile gegen Mie­te­r*in­nen – und geriet wegen ihrer Nebentätigkeiten für die Immobilienwirtschaft in die Schlagzeilen. Auch das eine bittere Erinnerung.

Trotz allem möchte Paul Geigerzähler auf der Kundgebung nicht nur von einer Niederlage reden: „Die großen Proteste haben andere linke Projekte wie das Kulturzentrum Schokoladen in Mitte vor der Räumung bewahrt und auch Impulse für die Berliner Mie­te­r*in­nen­be­we­gung gegeben.“

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