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100.000 protestieren gegen Golfkrieg

Hamburg/München (taz/dpa/ap) Auch am dritten Tag des Golfkriegs gingen die Proteste in der Bundesrepublik weiter: Insgesamt demonstrierten mehr als 100.000 Menschen gestern mit Protestmärschen, Menschenketten und Mahnwachen gegen den Krieg am Golf. Die größte Demonstration war eine „Volksversammlung für den Frieden“ in Stuttgart mit rund 40.000 TeilnehmerInnen. Auf Transparenten hieß es „Hitler ist tot — aber Saddam lebt“ und „Deutsche Waffenhändler an die Front“. Die Aktionen verliefen friedlich. Auch in anderen baden- württembergischen Städten nahmen mehrere zehntausend an Protestaktionen teil: In Tübingen beteiligten sich rund 10.000 Menschen an einem Schweigemarsch, in Freiburg demonstrierten rund 12.000 KriegsgegnerInnen. In zwanzig niedersächsischen Städten versammelten sich ebenfalls wieder Tausende zu Demonstrationen. In Kiel protestierten Tausende mit einer Menschenkette gegen die geplante Entsendung des deutschen Lenkwaffenzerstörers „Mölders“ zu einer Nato-Verbandsübung ins Mittelmeer. In Nordrhein- Westfalen beteiligten sich am Samstag wiederum 15.000 Menschen an Protestkundgebungen. In Köln versammelten sich am frühen Nachmittag etwa 6.000 Frauen, Männer und Kinder zur einer Antikriegsdemonstration in der Innenstadt. Nach Angaben der Polizei waren rund 90 Prozent der TeilnehmerInnen TürkInnen. In Düsseldorf zogen etwa 2.500 Menschen vom britischen Generalkonsulat zur Firma Rheinmetall, die auch Waffen produziert. In Gütersloh dauerte die Blockade des britischen Militärflughafens an. In Bielefeld nahmen 1.500 Demonstranten an einer Kundgebung vor der dortigen britischen Kaserne teil. Auch in München, wo am Freitag abend mit 12.000 Menschen die bisher größte Friedensdemo in der bayrischen Hauptstadt stattgefunden hatte, gingen viele gestern erneut auf die Straße. In Saarbrücken zogen am Samstag nach Schätzungen der Polizei über 2.000 Menschen durch die Innenstadt. Zu dem Schweigemarsch hatten die Landesregierung, der DGB Saar und die Kirchen aufgerufen. An der Spitze des Demonstrationsmarschs zogen Ministerpräsident Oskar Lafontaine, Landtagspräsident Albrecht Herold der DGB- Landesvorsitzende Manfred Wagner mit.

In Hamburg bemühten sich Demonstranten am Samstag mittag, ein mehrere Kilometer langes Transparent gegen den Golfkrieg zusammenzusetzen. Es sollte von der Hafenstraße zum Statteilzentrum Rote Flora im Schanzenviertel reichen.

Die Proteste stießen bei Politikern der christlichen Unionsparteien auf „Befremden“. Nach Ansicht von CSU-Generalsekretär Erwin Huber sind Teile der Friedensbewegung „auf einem Auge blind“. Wer gegen die USA demonstriere und zu den Verbrechen Saddam Husseins schweige, „verwirke jeden moralischen Anspruch, mit seinen Protesten Gehör zu finden.

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