100 Millionen Euro erforderlich: Kampf dem Analphabetismus
Zur Bekämpfung des Analphabetismus in Deutschland fordern Volkshochschulen eine Offensive. Betroffene sollen den Mut haben, aus der Anonymität herauszutreten.
BERLIN/WIESBADEN taz/dapd | Die Volkshochschulen fordern eine "nationale Offensive zur Verbesserung von Lese- und Schreibkompetenzen", um Analphabetismus gezielt zu bekämpfen. Für eine solche Offensive, an der sich alle gesellschaftlichen Kräfte beteiligen sollten, seien mindestens 100 Millionen Euro erforderlich, sagte Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, am Mittwoch in Wiesbaden.
An erster Stelle soll eine medial gestützte "Ermutigungskampagne" stehen, damit Betroffene aus der Anonymität heraustreten und Bildungsangebote wahrnehmen können. Mit dieser sogenannten Wiesbadener Erklärung reagierte der Deutsche Volkshochschul-Verband auf seiner Mitgliederversammlung auf eine neue Studie zu Analphabetismus in Deutschland.
Laut dieser gibt es 7,5 Millionen funktionale Analphabeten in Deutschland. Dieser Begriff umfasst Menschen, die lediglich Buchstaben, aber keine Wörter lesen und schreiben können, sowie diejenigen, die an einfachen Sätzen oder Texten scheitern. Bisherige Schätzungen gingen von 4 Millionen Analphabeten aus.
Bereits bei der Vorstellung der Zahlen am Montag hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan einen "Grundbildungspakt" vorgeschlagen. Ihr Ministerium hat zugesagt, die Offensive der Volkshochschulen mit 20 Millionen Euro zu unterstützen. Unter dem Oberbegriff "Alpha-Offensive" schlagen diese verschiedene Maßnahmen vor, wie flächendeckende Alphabetisierungskurse für Erwachsene und Förderkurse für Schulkinder mit Lese- und Schreibschwäche.
Ein weiteres Grundbildungsprogramm soll die Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen. Zudem soll ein Netzwerk von Bildungsberatern aufgebaut werden, um Betroffenen gezielt helfen zu können.
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