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24.06.2026 , 12:59 Uhr
Als Mensch mit eigener psychischer Erkrankung und Neurodivergenz, aktiv in der Selbsthilfe, möchte ich auf ein sprachliches Problem der Überschrift hinweisen. Das Verb „betäuben" für die Einnahme von Antidepressiva und Anxiolytika perpetuiert genau das Stigma, gegen das Betroffene täglich ankämpfen: die Vorstellung, psychische Medikamente seien keine Behandlung, sondern Verdrängung. Aus eigener Erfahrung und der vieler Menschen in meinem Umfeld weiß ich, wie wirkmächtig solche Rahmungen sind — auch in progressiven Medien. Besonders irritierend: Der Artikel selbst trägt dieses Framing nicht. Er beschreibt Menschen unter schwerem Stress, unzureichende Versorgungsstrukturen, und zitiert einen Psychiater, der die Zahlen als Ausdruck realer Lebensbedingungen einordnet. Das ist Behandlungsbedarf — keine kollektive Selbstbetäubung. Die Überschrift schadet dem eigenen Artikel und reproduziert Stigma.
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