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Archiv-Artikel

„Ich will was davon abgeben“

Am Hamburger Kinder- und Jugendtelefon sitzen jeden Samstag Jugendliche als Berater. Sie tun das ehrenamtlich – und haben auch selbst etwas davon, sagt ihre Ausbilderin Sigrid Ruppel im taz-Interview

Von WIE

SIGRID RUPPEL, 53, Diplom-Pädagogin, arbeitet als Ausbilderin des Projekts „Jugendliche beraten Jugendliche“ in Hamburg.

taz: Frau Ruppel, warum lassen Sie Kinder und Jugendliche am Telefon von Jugendlichen beraten?

Sigrid Ruppel: Unter der Woche sitzen dort bei uns ja professionelle Sozialpädagogen, die Jugendlichen nur samstags. Die Idee ist, dass Jugendliche näher dran sind an den Problemen. Die Anrufer haben die Möglichkeit, ihre Probleme mit Gleichaltrigen zu erörtern.

Können die Jugendlichen das denn?

Die bekommen eine Ausbildung, die dauert ein halbes Jahr und umfasst 60 Stunden. Da gibt es einen richtigen Ausbildungsplan zur Theorie der Kommunikation, zu den Problembereichen, die am Kinder- und Jugendtelefon auftauchen, und mit vielen Beratungsübungen.

Aber die Berater bekommen kein Geld.

Nein, das ist eine ehrenamtliche Tätigkeit.

Und es gibt wirklich Jugendliche, die das machen?

Wir haben in den sieben Jahren, die es das Telefon gibt, fast hundert Jugendliche ausgebildet. Derzeit wechseln sich 24 Jugendliche am Telefon ab. Sie verpflichten sich, ein Jahr in dem Projekt zu bleiben. Das bedeutet, ungefähr einmal im Monat samstags am Telefon zu sitzen.

Wer macht so was?

Manche haben selber in Krisen gesteckt und haben die Hoffnung, durch die Arbeit sich mit ihren eigenen Problemen auseinandersetzen zu können. Viele von denen steigen aber wieder aus, weil es ihnen zu eng wird. Die meisten sagen, ich hatte eine so tolle Kindheit, ich will was davon abgeben. Einige haben auch schon einen sozialen oder pädagogischen Beruf im Blick.

Die könnten ihre Zeit aber auch anders verbringen.

Es gibt ja auch Jugendliche, die sich beim Roten Kreuz oder bei den Pfadfindern engagieren. Es ist immer beides: Sie tun anderen Gutes, aber sich selbst auch, indem sie sich ständig in der Auseinandersetzung befinden.

Gibt es Gratifikationen für die Berater?

Sie können das für ein Studium oder eine Berufsausbildung in ihre Bewerbung reinnehmen, das macht sich immer gut. Und mindestens einmal im Jahr versuchen wir, ein Wochenende wegzufahren. INTERVIEW: WIE

Kostenloses Kinder- und Jugendtelefon: ☎ 0800–1110333. Die jugendlichen Berater sind in einigen Städten jeden Samstag über Festnetz zu erreichen, die Zeiten: Lüneburg: 13–19 Uhr, Hamburg: 14–19 Uhr, Kiel: 14–18 Uhr

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