DER RECHTE RAND

Nationale Solidarität mit Folgen

Vielerorts im Norden haben Neonazis am vergangenen Wochenende Sonnenwendfeiern ausgerichtet und dabei so genannt „arteigenen Göttern“ gehuldigt. Mehr als 300 Feiernde fanden sich am 21. Juni auf dem Hof des Bauern Joachim Nahtz am Ortsrand von Eschede (Kreis Celle) ein.

Schon am Freitag waren Neonazis zu einem Konzert auf dem Hof angereist, für das die Veranstalter – die Kameradschaft Celle 73 sowie die Organisation „Düütsche Deerns“ – mehrere Bands gebucht hatten. Besondere Beachtung fand in der Szene aber vor allem, dass dabei Geld gesammelt werden sollte für jene Kameraden, die nach dem Marsch am 1. Mai in Hamburg ihre Autos beschädigt vorgefunden hatten. Rund 300 Sachpreise sollen dafür von „nationalen Versänden“ gespendet worden sein. Solche „Soli-Aktionen“, schwärmt das rechte Internet-Portal Altermedia, müssten „Schule machen“. Ein User kommentiert: „Wunderbare Veranstaltung. Das ist gelebte nationale Solidarität“.

Lange dürfte Nahtz, der seinen Hof bereits seit Jahrzehnten für rechte Veranstaltungen bereitstellt, sich über all das Lob allerdings nicht gefreut haben: Auf friedliche Proteste von gut 300 Demonstranten gegen die Sonnwendfeier folgte nun eine Debatte um die Pachtverhältnisse. Seit 2002 hat der NPD-Freund das Gelände von der evangelischen Johanniskirchen-Gemeinde gepachtet – bis 2014. Kritik mag Horst Schurig, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, nicht nachvollziehen. Bei der nächsten Sitzung soll trotzdem über eine Kündigung geredet werden.

Johannes Neukirch, Sprecher der Landeskirche sagt: „Wir bedauern die Verpachtung.“ Rechtlich liege die Entscheidungsgewalt einzig bei der Gemeinde. Eine schnelle Vertragsauflösung sei schwierig, so Neukirch weiter. Mögliche Spielräume lote man aber derzeit aus: „Wir raten der Gemeinde zur Kündigung“, sagt Neukirch, „oder dass mindestens die Pacht nicht verlängert wird.“