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„Ich plädiere auf Freispruch“

Heute vor Gericht: Vattenfall hat 36 Kohlekraft-Gegner wegen „Hausfriedensbruch“ verklagt

taz: Weshalb stehen Sie heute vor Gericht, Frau Wittig?

Franziska Wittig: Vattenfall wirft mir Hausfriedensbruch vor, weil ich bei der Besetzung des Kraftwerkgeländes in Moorburg dabei war. Insgesamt hat Vattenfall 36 Leute verklagt, alle aus demselben Grund.

Sie verteidigen sich selbst. Was erzählen Sie dem Richter, damit er Sie freispricht?

Vor Gericht will ich versuchen zu zeigen, dass der Widerstand gegen Moorburg notwendig und gerechtfertigt war. Schließlich hat der Bau des Kraftwerks viele schädliche Folgen: die Elbe wird erwärmt, dadurch kippt vielleicht das ganze Ökosystem. Außerdem beschleunigen besonders Kohlekraftwerke den Klimawandel.

Ließe sich der CO 2 -Ausstoß Moorburgs nicht an anderer Stelle wieder einsparen?

Emissionshandel kann nicht die Lösung sein. Der führt nur dazu, dass Unternehmen mit genug Geld keine Rücksichten auf niemanden mehr nehmen müssen. Da entsteht so eine Mentalität à la „Ich zahle, also darf ich alles“. Die weniger Wohlhabenden müssen dann mit den Folgen leben.

Zählen solche politischen Argumente denn vor Gericht?

Ja, in England wurden bereits Angeklagte in einem ähnlichen Fall freigesprochen. Abgesehen davon wollen wir den Prozess auch politisch nutzen. Deshalb hat wohl bisher auch niemand die 400 Euro gezahlt, die notwendig sind, damit das Verfahren eingestellt wird. INTERVIEW: JNO

Öffentliche Verhandlung: 14 Uhr, Amtsgericht Harburg, Saal 211

Fotohinweis:FRANZISKA WITTIG, 26, Kohlekraftgegnerin