: Eintauchen in fremde Welten
Das internationale Literaturfestival Berlin (ILB) bietet ein überbordendes Programm. Neu ist die Verbindung von Literatur mit Musik und Tanz
Autorinnen und Autoren, die zum Teil noch nicht einmal ins Deutsche übersetzt wurden. Fragen dazu, was Literatur auszeichnet und wozu wir sie brauchen – etwa dazu, die Erinnerung an Menschen und historische Ereignisse aufrechtzuerhalten. Um all diese Dinge geht es beim bis zum 12. September laufenden Internationalen Literaturfestival Berlin (ILB) – dieses Jahr unter dem Motto „You are born with your face turned everywhere“. Jedes Jahr wieder bietet das Festival ein überbordendes Programm, das einem das Eintauchen in unbekannte Welten ermöglicht.
Über 100 Autor:innen und Mitwirkende aus rund 40 Ländern sind zu Gast – darunter bekannte Stimmen wie die Literaturnobelpreisträgerin Han Kang, Autorin des Welterfolgs „Die Vegetarierin“, der US-Amerikaner Dave Eggers („The Circle“), der Inder Amitav Ghosh und Bestsellerautorin Cornelia Funke.
Mindestens genauso spannend sind all jene Literat:innen, die bei uns noch keinen großen Namen haben oder erst in den letzten Jahren entdeckt wurden – zum Beispiel die norwegische Autorin Vigdis Hjorth. Bekannt für ihre ungewöhnlichen Liveauftritte ist sie mit ihrem ehrlichen, oft autofiktionalen Werk eine der bedeutendsten Stimmen der norwegischen Gegenwartsliteratur. Einer der besonderen Gäste ist der 81-jährige franco-algerische Erfolgsautor Boualem Sansal. Erstmals nach seiner Freilassung aus der Haft in Algerien tritt er in Berlin auf. Dazu gestaltet der indische Schriftsteller, Dichter und Musiker Jeet Thayil als diesjähriger „Curator in Residence“ ein eigenes Programm – es stellt die Überschreitung literarischer Grenzen in den Mittelpunkt.
Neu ist auch die Verbindung, welche das ILB zu anderen Kunstformen herstellt: Das Festival verknüpft Literatur in all ihren Ausdrucksformen – von Prosa über Lyrik bis zu Graphic Novels und Wimmelbüchern – mit Jazz, Kammermusik, Performance und Tanz.
Dabei verlangt das Versinken in literarische Welten Konzentration und Aufmerksamkeit – Fähigkeiten, die in unseren hypernervösen, von Social Media geprägten Zeiten zunehmend verloren gehen. Das ilb versucht dem mit der Ermöglichung haptischer Erfahrungen und durch die Bereitstellung „kuratierter Oasen der Aufmerksamkeit“ entgegenzuwirken. Vielleicht können solche Orte der Ruhe und Muße ja wirklich dabei helfen, in die weite Welt der Literatur einzutauchen. (os)
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