meinungsstark:
Glaubwürdigkeit verloren
„Kein Platz für Deutschland “,
taz vom 3. 6. 26
Die Blamage war vorhersehbar. Schon lange vorher hat die Weltgemeinschaft mit Befremden auf die Nahostpolitik Deutschlands und seine Doppelmoral geblickt. Wer den Krieg in der Ukraine vehement verurteilt und gleichzeitig den Krieg in Gaza mit Geld und Waffen unterstützt, darf sich nicht wundern, wenn Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren gehen.
Für viele Länder, vor allem die Länder des Globalen Südens, war die Wahl im UN-Sicherheitsrat ein willkommener Moment, dem mächtigen Geldgeber Deutschland die rote Karte zu zeigen in dem Bewusstsein, dass das Völkerrecht noch immer der moralische Kompass sein und bleiben sollte. Erstaunlich, dass unsere Politiker die Botschaft bis heute nicht verstanden haben. Da hilft es nichts, wenn wir uns nun in die Erklärung flüchten, Deutschlands Bewerbung sei zu spät gekommen und von Putin hintertrieben worden.
Barbara Skerath, Köln
Nichtweiße Topspieler
„Die Queen ist zurück auf dem Platz“,
taz vom 2. 6. 26
Serena und Venus Williams waren und sind wichtig als Vorbilder für nichtweiße Tennisspieler(innen). Aber sie waren nicht die ersten Topspieler: Bei den Herren fällt mir Arthur Ashe ein (1960er Jahre und frühe 1970er), der erste PoC-US-Open- und -Wimbledonsieger und bei den Frauen (selbst noch im Fernsehen gesehen) Frau Goolagong, die in den 70ern insgesamt 7 Grand-Slam-Turniere gewann.
Beide waren Vorkämpfer gegen Rassismus (Ashe insbesondere gegen die Apartheid in Südafrika, während Goolagong für die Förderung der australischen Aborigines eintrat) und wurden deshalb auch nach ihrer Karriere ver- und mit den höchsten Zivilorden ihrer Länder geehrt. Vielleicht können Sie Ihren Artikel dahingehend etwas erweitern. Roland Becker, Offenbach
Hautfarbe
„Warum ich für eine Schwarze Psychologie kämpfe“,
taz vom 30. 5. 26
Auch ich bin Psychologin und Psychotherapeutin und weiß. Ich bin mir bewusst, dass ich aus meinem Weiß-Sein keine direkte Erfahrung mit Rassismus habe. Welche Erfahrung ich persönlich jedoch teile, ist Invalidierung. Daher war ich beim Lesen der dargestellten Erfahrung der von Ihnen im Artikel genannten schwarzen Patientin erst einmal auch beschämt. Und das tatsächlich erst einmal auch unabhängig von der Hautfarbe. Wenn der zweite Satz nach einer Schilderung von Verletztheit der ist, doch auch die „andere Seite“ zu sehen und verstehen (zu müssen), dann ist das – freundlich gesagt – sehr unglücklich im psychotherapeutischen Kontext. Ich fände es auch ungeschickt in allen anderen Kontexten und kurz: keine gute Leistung von Psychotherapeut:innen, die sich so verhalten. Vermutlich hätte ich den nächsten Termin ebenfalls nicht wahrgenommen. Und jetzt kommt die Hautfarbe dazu. Auch ich hätte den Satz gesagt „Ich sehe keine Hautfarbe“, und gleichzeitig wird in dem Artikel so klar, dass sie da gesehen werden muss. Anke Hofmann, Sasbach
Lebenswerk
„Es ist nicht kompliziert“,
taz vom 5. 6. 26
Nach der Lektüre des Beitrags ist mir unverständlich (wie wahrscheinlich den meisten), warum sich Wim Wenders nicht – wie vielleicht erwartet – bei Nastassja Kinski entschuldigte. Dem mittlerweile profilierten, erfolgreichen und für sein Lebenswerk ausgezeichneten Regisseur wäre damit kein Zacken aus der Krone gebrochen. Im Gegenteil. Durch das Eingeständnis, sich vor mehr als 50 Jahren falsch verhalten zu haben und sich dafür einfach zu entschuldigen, hätte er nur gewinnen können. Möglicherweise hätte man ihn dann nicht nur für sein Lebenswerk, sondern auch für seine Einsichtsfähigkeit auszeichnen können. Achim Bothmann, Hannover
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