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wortwechselAnzug oder Dreitagebart mit schwarzem Hoodie?

Die männertaz hat viele Männer bewegt. Frauen auch. Für die einen ist es Geschlechtergedöns, die anderen denken über ihre Rollenbilder nach

Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er am Herrentag sich einen hinter die Binde kippt oder wenn er über seine Rolle als Partner und Vater nachdenkt? Foto: Bestand Konrad Hoffmeister/bpk

Tolle Sonderausgaben

männertaz, feministaz,

wochentaz vom 9. – 15. 5. 26 und vom 7. – 13. 3. 26

Liebe tazler*innen, ich habe mit Genuss, Nachdenklichkeit, Trauer, Tränen und viel Gewinn eure beiden Sonderausgaben gelesen. Das ist für mich das, was die taz zu einer besonderen Zeitung macht. Aufwühlen, informieren, nachdenklich machen, anregen und vieles, vieles mehr. In diesem Fall auch aktiv werden. Eben nicht nur nachdenken, sondern nachfragen, reden. Zum Beispiel über die eigene Rolle (geboren 1960) als Sohn, Partner, Vater, Großvater …, mit Männern und Frauen. Das geht (bei mir) nicht ohne schmerzliche Erkenntnisse, aber es ist nie zu spät, um sich noch ein wenig zu bewegen. Und es tut unendlich gut. Danke!

Robert Bernhardt, Marburg

Geschlechtergedöns

männertaz,

wochentaz vom 9. – 15. 5. 26

Macht bitte einfach eine taz für alle anstatt immer wieder dieses Geschlechtergedöns. Bringt eure Themen, schreibt diese Artikel, aber bitte lasst mir meine Wochenzeitung, die ich abonniert habe. Ich will Nachrichten! Ist das von einer Zeitung zu viel erwartet???

Paul Brandenburg, Lübeck

Care-Arbeit, Mental Load

„Für viele Frauen und Queers ist ­Männlichkeit die Krise“,

wochentaz vom 9. – 15. 5. 26

Habe mit Interesse das Gespräch mit Tobias ­Haberl und Ole Liebl über Männlichkeit in der Krise gelesen. Dabei ist mir die Aussage von Tobias Haberl über seine Mutter sauer aufgestoßen. Da können wir noch so oft über Care-Arbeit und ­Mental Load sprechen, aber wenn man über die eigene nicht erwerbstätige Mutter schreibt sie habe nichts gearbeitet, hat man als Mann offensichtlich nichts verstanden. Da ist der Rest des Artikels schon nicht mehr so glaubwürdig. Schade. Habe selbst alleinerziehend zwei Söhne großgezogen, die über ihre Mutter hoffentlich differenzierter sprechen.

Ursula Jakobs, München

Muttertag!

„Männlichkeitsbilder in Schulen: ‚Mein Sohn wird ein Mann – und ich bin besorgt‘ 

wochentaz vom 9. – 15. 5. 26

Schön, dass ihr am Muttertag eine ­männertaz macht. Das war Ironie … Kein einziger Artikel über Mütter! Es sei denn, sie ziehen Söhne groß. Ich finde das wirklich schade.

Wiebke Ullrich

Der formlose Mann

„Warum Männer sich nicht anziehen können“

wochentaz vom 9. – 15. 5. 26

Meine Omi (Baujahr 1917) sagte immer, dass es gar keine echten Männer mehr gebe und ihr Männe (geboren 1906) so ein besonders gut aussehender Mann gewesen sei. Zu ihrer Zeit trugen sie Anzug und Hut, Überzieher und Handschuhe, in denen sie den Wagenschlag aufhielten: für die Damen, die sich ihrerseits für diese Verabredung mächtig in Schale geschmissen, Stunden beim Frisör verbracht und sich den ganzen Nachmittag lang mit den Schuhen und der passenden Handtasche, dem Make-up und dem passenden Lippenstift zum Kleid beschäftigt hatten. Zu meiner Zeit hingegen gab es Popper, Punks und so Leute mit Parkas, Jeans und Turnschuhen. Mein erster großer Schwarm trug einen dunkelblauen Nickipulli und lässig eine selbst gefärbte Windel als Halstuch. Mir schwanden bei seinem Anblick regelmäßig die Sinne, ein Effekt, der niemals durch ein schnöseliges Anzugoutfit hervorgerufen worden wäre. Schnösel sind nun mal nicht sexy, und zu dem Anzugträger, der die Lässigkeit perfektioniert, gehört so viel Arsch in der Hose, dass dieser auch mit Jeans und Schlabberhemd beim Publikum besteht. Was gut angezogen ist, weiß jeder Herrenausstatter. Der verpackt den Hängearsch, die Schwabbelbrust und den Hüftspeck in Boss. Endlich ist er sichtbar, zwar immer noch formlos, nun aber scheinbar erfolgreich– zumindest darin seine Mittelmäßigkeit auf den ersten Blick zu kaschieren. Und dann steht er da sagen wir vor der ­Paris Bar in Berlin. Und hat so eine hochhackige Langbeinige im Schlepp, der er Schampus bestellt und mit der er sich um Konversation bemüht. Doch sie muss immer wieder zu diesem Kerl gucken, der draußen offensichtlich auf seine Verabredung wartet. Dreitagebart, schwarzer Hoodie unter der Lederjacke, breites Kreuz, samtener Blick.

Das Sichkleiden, wie Sie es beschreiben, ist keine Kunst. Es ist eine Frage der Haltung. Dem formlosen Mann ist in einem passenden Anzug nur insofern geholfen, als er in seiner Formlosigkeit nicht sofort ins Auge springt. Auf den zweiten Blick hingegen entlarvt er sich dann aber trotzdem als der konturlose Schnösel, der er nun mal ist und bleibt. Was Sie als Lässigkeit preisen, gilt für alle beeindruckenden Männchen. Allerdings unabhängig vom Anzug und dessen Passform.

Edda Sichelschmidt

Taschengeld für Männer

„Warum sind CEOs immer Männer?“,

wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Keine Frage, die Frauen haben früher gearbeitet, da ist der Leserbriefschreiberin sehr zuzustimmen (wer je einen Waschtag ohne Waschmaschine miterlebt hat, weiß das). Aber wurden sie nicht dafür bezahlt? Bei meinen Großeltern und Eltern brachte der Mann am Zahltag das Geld nach Hause, gab es seiner Frau und bekam selber Taschengeld zugeteilt (vor allem für Zigaretten). Auch für den Mann gab es ein Kümmern jenseits der Lohnarbeit: Nach Feierabend war der Garten an der Reihe, der damals im Ruhrgebiet oft zu Mietwohnungen gehörte: Obst, Gemüse, Hühner oder gar ein Schwein, mit Küchenabfällen ernährt. Mein Vater hatte keinen Garten mehr, aber stieg mindestens einmal in der Woche auf dem Weg von der Arbeit aus, um sich um seine Mutter zu kümmern, und kam dann mit einem späteren Zug zum späten Abend­essen nach Hause.

Wilfried Haßelberg-Weyandt, Chemnitz

Kinderfrage

„Warum wurde die AfD nicht verboten?“,

wochentaz vom 2. – 8. 5. 26

Guten Tag, sehr schön das Thema erklärt. Wie erklärt man jetzt aber, wenn alle Menschen gleich behandelt werden sollen, dass die Beamten und Leute im öffentlichen Dienst bessergestellt, besser behandelt werden? Keine Rentenbeiträge, hohe Pensionen, private Krankenkasse, mehr Kindergeld, die Kinder sind auch nicht besser, und noch viele andere Vorteile, die ich gar nicht alle kenne. Können krankfeiern, wie sie wollen, da sie nicht entlassen werden können,dabei würde es schon reichen, dass sie besser verdienen.

Simone Ratzel, Lübeck

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