: Über 40 Jahre taz in den Knast
Informationszugang im Gefängnis im Laufe der Geschichte
Diese Zeilen schrieb ein Gefangener aus Dieburg im Dezember 2025 an den Verein Freiabonnements für Gefangene e. V. Seit über 40 Jahren vermittelt der Verein Zeitungen an Gefangene bundesweit und engagiert sich für Informationsfreiheit und Bildung im Gefängnis. Der Zugang zu Informationen in Haft ist keine Selbstverständlichkeit. Lange galten Gefangene als weitgehend rechtlos. 1972 hat das Bundesverfassungsgericht Grundrechte für Gefangene konkretisiert und mit der Reform des Strafvollzugs 1977 wurden diese juristisch geregelt. Damit wurde auch der Bezug von Zeitungen für Gefangene in Paragraf 68 Strafvollzugsgesetz festgelegt.
Welche Informationen Gefangene im Laufe der Geschichte erhalten, hängt stets stark von der jeweiligen politischen Epoche, von dem Ermessensspielraum des jeweiligen Gefängnisses und den bürokratischen Hürden ab. Im Kaiserreich zum Beispiel standen Gefangenen häufig lediglich religiöse Schriften oder staatlich autorisierte Erziehungstexte zur Verfügung. In der Weimarer Republik waren Zeitungen für Gefangene je nach Anstaltsleitung zugänglicher, aber dennoch streng organisiert und kontrolliert. Der Medienzugang im Gefängnis während der NS-Zeit war von starker Zensur und Propaganda geprägt. Die Gefangenenzeitung Der Leuchtturm, die bis 1945 erschien, fungierte in dieser Zeit als kontrolliertes Medium mit propagandistischer Ausrichtung.
Seit 1977 die gesetzliche Grundlage für die Informationsfreiheit für Gefangene geschaffen wurde, bleibt der Zugang zu Zeitungen dennoch häufig versperrt. Einer der Gründe ist: Viele Gefangene können sich ein Abonnement schlicht nicht leisten. Bis heute verdienen Gefangene 1 bis 3 Euro pro Stunde. Deshalb wandten sich Gefangene direkt an Verlage und baten um kostenlose Exemplare – so auch in den 1980er Jahren an die taz.
Aus dieser Situation heraus entstand der Verein Freiabonnements für Gefangene e. V. Unter dem Motto „Jedem Knacki seine taz“ gestartet, versorgen der taz-Verlag und seine Leser*innen mit ihrer Spende seit mehr als 40 Jahren Gefangene mit Abonnements und Informationen von draußen. Mittlerweile werden über den Verein 40 verschiedene Zeitschriften und Magazine ins Gefängnis geschickt, monatlich über 2.200 Abonnements.
Spenden oder schenken Sie ein wochentaz-Abo an einen Gefangenen! Am besten sechs Monate oder ein Jahr zum ermäßigten Preis von 22,40 Euro im Monat.Hier geht es zum Formular: taz.de/knastaboschenken
Weitere Informationen: taz.de/knastabo
Dank an alle Spender*innen
Die taz-Knastabos werden allein durch Spender*innen / Schenker*innen ermöglicht, die mit ihrem Beitrag gleich mehreren helfen: Die gedruckte taz wird an durchschnittlich sechs Mithäftlinge weitergegeben. Außerdem unterstützen Sie mit jedem taz-Abo an Gefangene zugleich die taz.Wer eine Spendenquittung benötigt, spendet an den Verein Freiabonnements für Gefangene e. V. Vielen Dank für Ihre Solidarität! Infos zum Verein: freiabos.de
In Deutschland sind derzeit circa 60.000 Menschen im Gefängnis, die Zahlen nehmen seit 2024 leicht zu. Etwa 15.000 von ihnen befinden sich in Untersuchungshaft – ein Bereich, in dem die Zahlen steigen und die Isolation besonders groß ist. Untersuchungsgefangene sind oftmals bis zu 23 Stunden im Einschluss.
Der Bedarf nach Printzeitungen und die Bedeutung der Unterstützung besteht seit den Anfängen des Vereins bis heute fort. Bei Freiabonnements für Gefangene e. V. findet gerade ein Generationswechsel statt. Nach 35 Jahren gibt Sybill Knobloch die Leitung an ihre Nachfolgerin Mara Stirner ab, bleibt aber als Projektleiterin aktiv. Die Ziele des Vereins bleiben bestehen: Informationen hinter Mauern bringen.
Freiabonnements für Gefangene e. V.
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