Babette Glöckner, Pastorin

Notrufnummer der Seele

ist Leiterin der Telefonseelsorge des Diakonischen Werks in Hamburg.Foto: Diakonie Hamburg

In jungen Jahren wurde Babette Glöckner, durch den frühen Tod ihres Vaters, mit menschlichen Krisen konfrontiert – und lernte damit umzugehen. Auf der Suche nach seelischer Entlastung kam sie in Kontakt mit Seelsorgern und entdeckte ihr eigenes Talent für dieses schwierige Metier. Nach einem Theologiestudium in Kiel war sie mehr als 16 Jahre Krankenhausseelsorgerin in Bad Segeberg.

Seit Mitte Juli ist sie die neue Leiterin der Telefonseelsorge Hamburg. „Wenn nicht jetzt, wann denn dann“, habe sie sich gedacht. Der Posten trifft sich mit ihrem Lebensmotto: „Immer weiter Lernen.“ Außerdem sei die Seelsorge „ungeheuer wichtig“.

Seit die Telefonseelsorge 1959 in Hamburg eingerichtet wurde, werden es von Jahr zu Jahr mehr Anrufe von Hilfebedürftigen. „Die Schamgrenze uns anzurufen sinkt und das Vertrauen in die Seelsorge steigt“, sagt Glöckner. Oberstes Gebot der Seelenpfleger sei die Anonymität. Allein 2007 wurden 20.753 Seelsorgegespräche in Hamburg geführt. Das Sorgentelefon habe eine „seismographische Gesellschaftsfunktion“. In der Wirtschaftskrise bestimmten Existenzängste die Telefonate.

Inzwischen nehmen 100 ehrenamtliche Seelsorger die Anrufe der Hilfesuchenden entgegen. „Das sind absolut tolle Leute“, sagt die Leiterin über ihre Helfer, „offene Menschen, mit einem breiten, geistreichen Spektrum, dabei so vielfältig wie die Anrufer selbst.“ Ein Seelsorger müsse psychisch belastbar sein und die Probleme der Anrufer nicht zu seinen eigenen machen. „Und das ohne sich dabei abzuschotten, das verhindert eine vertrauensvolle Beziehung“, sagt Glöckner mit sanfter Stimme.

Doch auch nach Jahrzehnten der Seelsorge und Vermittlung sei sie selbst vor privaten Konflikten nicht gefeit. „Da braut sich was zusammen, wie anderswo auch.“ Man sei emotional involviert und es fehle der persönliche Abstand, der für die Problemlösung nötig sei. „Ich würde mich hüten, beispielsweise mit meiner Schwester ein Seelsorge-Gespräch zu führen.“ Ihre Mutter sagt dann: „Sprich nicht so seelsorgerisch“, wenn sie es trotzdem tut. JOSEPH VARSCHEN