Neues „Game of Thrones“ Spin-Off: Blut, Moral und Ritter-Ehre
Mit „A Knight of the Seven Kingdoms“ schreibt HBO die „Game of Thrones“-Saga von George R. R. Martin fort. Bildgewaltig, moralisierend und systemkritisch.
Ist der großgewachsene Mann in zerlumpter Kleidung wirklich ein echter Ritter? Als der junge Sir Duncan der Große (Peter Claffey) an einem Turnier teilnehmen will, wird ihm das verwehrt. Seinen Mentor Ser Arlan of Pennytree, auf den sich Duncan beruft und der ihn kurz vor seinem Tod zum Ritter geschlagen haben soll, kennt jedenfalls niemand.
Die neue „Game of Thrones“-Spin-off-Serie „A Knight of the Seven Kingdoms“ begibt sich in die Niederungen der Ebene und lotet das Leben eines einfachen, geradezu proletarisch anmutenden Ritters in der Fantasywelt von George R. R. Martins „Eis und Feuer“-Kosmos aus. Statt den Fokus auf die oberen Zehntausend aus dem Haus Targaryen, ihre Festungen und feudalistischen Ränkeschmiede zu richten, erzählt der Sechsteiler von Ritterturnieren, Saufgelagen und dem Traum vom sozialen Aufstieg.
Wobei die Targaryens in dieser Geschichte, die 100 Jahre vor „Game of Thrones“ angesiedelt ist, auch vorkommen. Denn ein Junge namens Egg (Dexter Sol Ansell), der sich Duncan als Knappe anbiedert, ist in Wirklichkeit der spätere König Aegon V., der Ururgroßvater jener Drachen zähmenden, für „Game of Thrones“ so zentralen Daenerys Targaryen (Emilia Clarke).
„A Knight of the Seven Kingdoms“, ab 18.1. auf HBO
Nur will der junge Aegon alias Egg, der sich auch extra die weißen Haare abrasiert und kahlköpfig bleibt, mit seiner Herrschersippe nichts zu tun haben und schlägt sich auf die Seite des verlorenen einfachen Ritters. Dieser einfache Ritter Duncan wächst als Junge in einer chaotischen Nachkriegsordnung auf.
Die Drachen sind zu dieser Zeit alle tot und zufällig begegnet er einem einfachen Heckenritter, der sich wandernd durch die Lande schlägt und dem er als Knappe folgt. „A Knight of the Seven Kingdoms“ kontrastiert die bisherigen Serien „Game of Thrones“ und „House of the Dragon“. Es geht um Klassenunterschiede, Habitus und den Kampf um Anerkennung in einer brachial hierarchisierten Welt.
Der brave Ritter und treue Knappe
Die literarische Vorlage von George R. R. Martin „Der Heckenritter von Westeros“ stammt von 1998, zwei weitere Novellen über den Ritter und seinen blaublütigen Knappen folgten, weitere sind eigentlich in Planung. Wobei der Kultautor, der bei „A Knight of the Seven Kingdoms“ wieder als ausführender Produzent mitwirkt, vor lauter Filmaufträgen gerade offensichtlich gar nicht zum Schreiben kommt.
Für Fans dürfte es beim Heckenritter dennoch viel zu entdecken geben. Vor allem die in Rückblenden aufgefächerte, aber leider auch nur minimal angerissene Geschichte von Westeros ist spannend und schreibt das komplexe World-Building dieser Saga gediegen fort. Den einfachen Leuten und ihrer Alltagskultur wird viel mehr Raum gegeben. Dabei wird auch ausgiebig gerotzt, sich übergeben und defäkiert, wie das sonst kaum im Film zu sehen ist.
Insgesamt aber reißen einen die gerade mal sechs jeweils halbstündigen Folgen der ersten Staffel – eine zweite soll folgen – nicht wirklich mit. Das Verhältnis des braven Ritters zum treuen Knappen ist einfach geschnitzt, der Kampf gegen machthungrige, selbstgefällige Targaryens ist moralisierend und vorhersehbar. Dennoch: Die dramaturgische Zuspitzung mündet im brachialen Ritterturnier, das mit viel Action, Dreck und Splatter so bildgewaltig in Szene gesetzt ist, wie man das bisher kaum zu sehen bekam.
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