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Bäume und politische FarblehreSogar der Wald wird immer rechter

Eine neue Waldinventur in Brandenburg zeigt: Die Blautanne ist auf dem Vormarsch. Teile der AfD feiern dies als Ende der „Brandmauer im Wald“.

Geheime „Umwaldung“: Der in der Nazi-Zeit gepflanzte „Swastika-Wald“ bei Zernikow wurde erst in den 90er Jahren entdeckt Foto: STR New

Berlin taz | Eine außerordentliche Waldinventur könnte den Wald in Brandenburg in ein anderes Licht rücken. Zum Stichtag 31. März, so lautet das überraschende Ergebnis der Erhebung, hat der Anteil der Kiefern in den 1,1 Millionen Hektar Wald zwischen Elbe und Oder dramatisch abgenommen und liegt nun nur noch knapp über 50 Prozent. Deutlich zugenommen hat dagegen der Bestand an Blautannen. Sie machen inzwischen 32 Prozent der Brandenburger Wälder aus.

Bislang galt die Mark als Land der stramm stehenden Kiefernforste. Bei der vorherigen Waldinventur 2015 betrug der Anteil der schnellwachsenden und in der Holzindustrie beliebten Kiefern satte 70 Prozent. Weit abgeschlagen folgten Eichen (6,7 Prozent) und Buchen (3,3 Prozent). Die Blautanne wurde damals noch nicht gemessen.

In andern Bundesländern Ostdeutschlands war sie dagegen schon vor zehn Jahren im Anmarsch. Gleichzeitig war der Anteil der Kiefern dort seinerzeit deutlich niedriger als in Brandenburg. In Sachsen-Anhalt betrug er 43 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 37 Prozent und in Sachsen 28 Prozent. Bestand schon damals ein Zusammenhang zwischen der Verteilung von Baumarten und den Wahlergebnissen der AfD, die in Sachsen schon 2019 auf 27,5 Prozent gekommen war? Das entsprach in etwa auch dem damaligen Anteil der sächsischen Blautannen, Nordmanntannen und Deutschen Eichen.

In Brandenburg haben Förster vor allem in der Uckermark und in der Lausitz in den vergangenen Jahren mit Blautannen aufgeforstet, geht aus der jüngsten Erhebung hervor. „Sie hat ihren Ruf als beliebter Weihnachtsbaum abgestreift und spielt nun auch im Waldbau eine bedeutende Rolle“, sagt Prenzlaus Stadtförster Florentius Dauergrün der taz.

„Keine Brandmauer mehr“

Auch im Waldumbau spielt Abies nobilis neben der Eiche inzwischen eine große Rolle. Das ergab die Zählung, die Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (SPD) vorgestellt hat. Den Antrag auf die außerordentliche Inventur hatten die Fraktionen von AfD und BSW kurz nach den Landtagswahlen am 22. September 2024 durchgesetzt.

„Im Brandenburger Wald gibt es keine Brandmauer mehr“, freute sich die AfD-Abgeordnete Kathleen Muxel über das Ergebnis der Waldzählung. „Die Blautanne wird auch künftig eine führende Rolle beim Waldumbau spielen.“ Als waldpolitische Sprecherin ihrer Fraktion hatte Muxel bis dahin vor allem mit Anfragen zum Holzdiebstahl von sich reden gemacht. Der BSW-Abgeordnete Sven Hornauf aus Frankfurt (Oder) begrüßte es unterdessen, dass auch die sibirische Lärche auf dem Vormarsch sei.

Dem Loblied der in weiten Teilen gesichert rechtsextremen Partei auf die Blautanne widersprach umgehend in einer Pressemitteilung das Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (LFE). „Blautannen sind als nicht gebietsheimische Gehölze in der Brandenburger Waldgesellschaft mit Vorsicht zu behandeln.“

Nach Recherchen des Nabu waren es vor allem Förster privater Waldbesitzer, die in ihren Beständen Blautannen gepflanzt haben. „Offenbar sind diese Pflanzungen weniger forstlich begründet als vielmehr ein politisches Statement“, kommentierte Nabu-Chef Björn Ellner. Der Wald dürfe nicht politisiert werden, sonst würden bald je nach politischen Mehrheiten nur noch Rotbuchen, Schwarzkiefern, Grün-Erlen und Sibirische Lärchen in Brandenburg gepflanzt werden. „Stattdessen müssen wir die Ökosystemleistungen des Waldes besser würdigen“, betonte Ellner.

Invasiv im „deutschen“ Wald

Dass der Wald längst ein Politikum ist, zeigt allerdings auch eine heftige Debatte, die in der AfD-Fraktion über die Blautanne ausgebrochen ist. „Der deutsche Weihnachtsbaum ist endlich auch im Wald angekommen“, freute sich Muxel über das Ergebnis der von ihr und dem BSW beantragten Inventur.

Ganz anders argumentiert der völkische Flügel der Partei. „Nicht heimische Baumarten haben im deutschen Wald nichts zu suchen“, sagte der Lausitzer Abgeordnete Michael Hanko. Er kündigte auch an, ein Bündnis mit dem LFE schmieden zu wollen, um stärker auf heimische Baumarten zu setzen. „Wir müssen die Versuche der Umwaldung genauso konsequent bekämpfen wie die Umvolkung“, so Hanko.

Mit einem zweiten Antrag war die AfD allerdings vor Kurzem im Potsdamer Landtag gescheitert. Die Abgeordnete Muxel hatte gefordert, die Baumartenmischungstabelle des Landesbetriebes Forst neu aufzustellen. Ihr Ziel: Neben den Blautannen sollten im Brandenburger Wald künftig auch Deutsche Eichen und Nordmanntannen eine größere Rolle spielen. Überschrieben war der Antrag mit „Alternative für den deutschen Wald“.

„Einen solchen alternativen Wald hatten wir in der Geschichte schon einmal“, wandte Nabu-Chef Björn Ellner ein. Er verwies auf den Hakenkreuzwald bei Zernikow in der Uckermark. Dort hatten Förster 1938 100 bis 140 Lärchen in Form eines Hakenkreuzes gepflanzt.

Erst 1992 war das Vermächtnis des „Tausendjährigen Reichs“ entdeckt worden: beim Überfliegen der Wälder infolge einer Waldinventur.

Update: Bei diesem Text handelt es sich natürlich um einen Aprilscherz. – d. Red.

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1 Kommentar

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  • Ich habe schon lange nicht mehr über einen so guten Aprilscherz gelacht. Der war wirklich gut, der gesichert rechtsextremistischen AFD das Hohelied auf die Blautannen und den gesichert linksextremistischen Linken auf die Rottannen anzudichten. Was machen jetzt eigentlich die Grünen? Ihre Lieblingsfarbe fällt ja im gesunden Wald ja leider nicht auf.



    Glückwunsch zum Aprilscherz!