das wetter: Strapazen
Unter den Freunden hartleibiger Musikdramen gilt Heydrich Tannhäusers Singspiel „Nothdurft – ein Brimborium in acht Aufzügen“ als Gipfel spätromantischer Notensetzerei, doch nur wenige Opernliebhaber zeigen sich den Strapazen der Aufführung gewachsen. Gleich in der Ouvertüre, die in scharfem Es-Es-Dur über den Grünen Hügel peitscht, weidet Tannhäuser sein Leitmotiv, den „Manikürenritt“, bis auf die letzte Knochenflöte aus. Stundenlang fräsen die Geigen, Holzbläser werden gewetzt, bis der Recke Nothdurft die Bühne betritt. Der Heldentenor koddert in Cis-Gender den Orchestergraben voll, im zweiten Aufzug belfert Lindwurm Lumpi im Duett mit dem aasigen Asen Loki das Parkett in die Flucht. Zum Finale Grande heiratet Nothdurft sein Schwert „Holmenmolm“ und begeht aus Freude darüber einen Genozid. Dann gibt es Schnittchen.
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