südwester: Disco mit Anspruch
Es war einmal vor langer Zeit, da stellte man einen Flachbau in ein Gewerbegebiet, stellte ein paar Spirituosen ins Regal und nagelte ein Schild draußen an „Gaga“oder „Underground“ oder ‚„Auch egal“ und fertig war die Disco. Ähnlich anspruchslos waren auch die Erwartungen der Menschen, die dorthin kamen: sehr laute Musik, sehr viel Alkohol, sehr viel Körperkontakt. Doch die Zeiten jugendlicher Unbedarftheit sind vorbei. Die Diskothek der Gegenwart hat einen wissenschaftlichen Anspruch. Das „Joy“ in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) mag weiterhin für „Party, Nightlife und Eskalation“ stehen, wie es auf seiner Internetseite heißt. Aber niemand sollte sich von „Wir verkaufen Spaß und wollen euch diesen mehr denn je auf höchstem Joyniveau vermitteln“ täuschen lassen: Tatsächlich geht es um ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt, um herauszufinden, was Tanzen ohne Maske und Abstand epidemiologisch bedeutet. Und mit etwas Glück treffen die Nachwuchswissenschaftler*innen auf Drosten, Streek und Kekulé beim Moondance.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen